DVD-Recorder-Boom trotz Formatchaos
Bei kaum einem technischen Gerät zeigt die Absatzkurve derzeit so steil nach oben wie bei DVD-Recordern: "Das ist ein riesiger Wachstumsmarkt", ist sich Peter Weber von Panasonic sicher.
"Die Recorder kosten nur noch ein Viertel von dem, was sie zur Einführung vor zwei Jahren gekostet haben", sagt Klaus Petri von Philips. Er rechnet für die kommenden Jahre mit dem Einstieg von No-Name-Anbietern in den Markt, welche die Preise weiter drücken werden:
"Wie bei den Playern wird es auch bei den Recordern jede Menge Anbieter geben, sodass der Preiskampf stärker wird."
Der Markt für DVD-Recorder entwickelt sich weltweit weiter rasant. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der verkauften Einheiten auf dem Megamarkt Japan sogar um nicht weniger als 380 Prozent gestiegen.
Rekordabsatz für DVD-RecorderCopyright-Bedenken
Neben dem immer noch herrschenden Formatchaos gibt es aber noch einen weiteren Zankapfel: "Das ist ein weiteres Medium, das zur Verbreitung von Raubkopien beiträgt", sagt Diane Gross, Öffentlichkeitsreferentin der deutschen Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen.
Nicht so pessimistisch sieht das Oliver Trettin, der stellvertretende Geschäftsführer des deutschen Bundesverbandes Audiovisuelle Medien [BVV]: "Grundsätzlich ist das nichts anderes als ein Videorecorder, und damit leben wir seit 20 Jahren gut", sagt er.
Viel mehr Angst habe die Videoindustrie vor den DVD-Brennern im PC. "Die sind wie gemacht für Raubkopien: Man lutscht sich Filme aus dem Internet und brennt sie von der Festplatte auf eine DVD."
Auch die Hersteller der DVD-Recorder sind sich beim Rechteschutz einig. "Wir stehen auf der Seite der Rechteinhaber", sagt Panasonic-Sprecher Weber. So hat zum Beispiel das von Panasonic favorisierte DVD-RAM-Medium den "Vorteil", dass ein aufgenommener Film zwar wieder angesehen und archiviert, aber nicht auf anderen DVD-Playern abgespielt werden kann.
Philips-Sprecher Petri weist auf den Unterschied zwischen Brennern und Recordern hin: "Der DVD-Recorder ist nicht zum Kopieren von Filmen da, sondern um Fernsehsendungen zu archivieren, eigene Filme aus dem Camcorder abzuspielen und zu bearbeiten sowie Bilder aus der Digitalkamera am Fernseher anzuschauen."
Breite Front gegen DVD-KopiersoftwareFormatchaos
Trotz der großen Popularität der Geräte haben sich die Hersteller auch bisher nicht auf einen einheitlichen Standard einigen können. Während etwa Pioneer mit seinen Produkten das DVD-RW-Format unterstützt, setzen Philips und andere große Hersteller bei den digitalen Videorecordern auf das DVD-Format mit dem Pluszeichen: DVD+R- und DVD+RW.
Die Nummer zwei auf dem deutschen Markt, Panasonic, favorisiert dagegen die so genannte DVD-RAM-Technik: "DVD-RW arbeitet wie eine Schallplatte, immer schön nacheinander, während RAM wie eine Festplatte funktioniert, sich also freie Stellen irgendwo auf der Disk sucht", erklärt Panasonic-Sprecher Weber.
Zwei Vorteile hätte das RAM-Format: "Während noch aufgenommen wird, kann man zeitversetzt das bereits Aufgenommene oder etwas anderes sehen." Zudem sei die Lebensdauer der RAM-Scheiben, die mit und ohne Hülle im Handel erhältlich sind, länger. Sie können bis zu 100.000 Mal neu beschrieben werden.
Als bisher einziger Anbieter auf dem europäischen Markt bietet Sony einen DVD-Recorder an, der Plus und Minus erkennt. "Wir setzen auf die Formate, die die größte Verbreitung haben", sagt Sprecherin Myriam Hoffmann.
DVD-Mulitformat-Brenner von SonyMarktanteile
Der Marktanteil der Recorder mit einem Minus liegt auf dem europäischen Markt bei einem Prozent, die RAM-Variante hat nach einer GfK-Intelect-Studie 27 Prozent Marktanteil. 72 Prozent setzen auf die Silberlinge mit dem Plus.
Weltweit sieht die Verteilung anders aus: Dort haben die +RWs einen Anteil von 27 Prozent, die -RWs liegen bei 21 Prozent und die RAM-Technik ist mit 56 Prozent führend.
Das liegt nach Webers Angaben vor allem an den amerikanischen und japanischen Märkten, die auf den RAM-Standard setzten. "Der europäische Markt hängt noch weit zurück, aber auch hier wird sich dieses Format durchsetzten", ist Weber naturgemäß überzeugt.
Anders sehen das namhafte Firmen wie Philips, Sony, Mitsubishi, HP, Dell, Yamaha und andere, die sich in der "DVD+RW-Allianz" zusammengeschlossen haben und die Verbreitung des Plus-Formats forcieren. Sie wollen die Kompatibilität sowohl der Medien als auch der Abspiel- und Aufnahmegeräte sicherstellen. So soll eine aufgenommene DVD nicht nur von allen DVD-Playern und -Recordern abspielbar sein, sondern auch in den PC-Laufwerken funktionieren. Zudem solle die DVD nicht nur Filme aufnehmen können, sondern universelles Speichermedium sein.
Nebel um DVD-RW-Standard lichtet sich
