Countdown für Iraks Handynetz läuft
Die von den USA eingesetzte Verwaltung im Irak nimmt seit Donnerstag Angebote für die drei ausgeschrieben Mobilfunklizenzen entgegen.
Nun wurde Kritik laut, die einen Passus in der Ausschreibung, wonach Regierungen mit maximal fünf Prozent an den mitbietenden Firmen beteiligt sein dürfen, bemängelt. Sie sehen darin vor allem einem Vorteil für US-Firmen, die üblicherweise in Privathand sind.
Zudem könnten Firmen wie Batelco ausgeschlossen werden, die vor kurzem mit einem funktionsfähigen GSM-Netzwerk in Bagdad von sich reden machten. Batelco gehört zu 36 Prozent dem Statt Bahrain.
Ein Sprecher von Batelco sagte, aufgrund dieser Klausel könne keine Telekomfirma des Mittleren Ostens an der Ausschreibung teilnehmen, da Regierungen an ihnen beteiligt sind.
Batelco hatte für fünf Mio. USD ein Handy-Netz in Bagdad eingerichtet, dass unter Druck der US-Regierung wieder abgeschaltet werden musste. Das Handynetz soll den Berieb des Netzes von MCI in seiner Funktion gestört haben, berichteten Kreise aus der irakischen Verwaltung.
"Geister-GSM-Netz" muss Betrieb stoppenZahlreiche Regierungsbeteiligungen
Batelco will jedoch trotzdem in einem Joint-Venture mit einer irakischen Firma an der Ausschreibung teilnehmen, der Mobilfunker hat Investitionen von 50 Mio. USD angekündigt.
Auch Kuwaits MTC-Vodafone, deren Netz ebenfalls kurzzeitig in Bagdad in Betrieb war, gehört zu 25 Prozent dem kuwaitischen Staat, dem auch Teile des MTC-Konkurrenten Wataniya Telecom gehören, die sich ebenfalls für eine Handy-Lizenz im Irak interesserien.
Laut dem Berater des irakischen Kommunikations-Ministeriums sind die fünf Prozent zwar nicht "starr", doch am Prinzip ändere sich nichts: man wolle nicht, dass eine Regierung eine Kontrollposition erhält.
Ein Sprecher der irakischen Verwaltung sagte, der Passus sei ein Punkt, von dem bereits geplant war ihn noch einmal näher unter die Lupe zu nehmen.
Bis dato ist immer noch keine Entscheidung über den zu verwendenden Standard, GSM oder CDMA, gefallen.
Debatte um Iraks Handynetz wird ernstBau ab 25. September
Bis 14. August werden Angebote für die Handynetze entgegengenommen, am 5. September sollen dann die Lizenzen vergeben werden. Innerhalb von 20 Tagen nach Erhalt der Lizenz sollen die Firmen beginnen ihre Netzwerke aufzubauen.
Bereits unter Saddam Hussein sollen Vorbereitungen für ein Handynetz, unter anderem Türme und Glasfaserkabel, getroffen worden sein, die jedoch aufgrund des Handelsembargos nicht abgeschlossen werden konnten, sagen Mitglieder der irakischen Verwaltung.
Schätzungen gehen von Kosten für das Handynetz von 80 bis 200 Mio. USD aus, je nach Anzahl der Teilnehmer. Die bestehende [und intakte] Infrastruktur soll dabei übernommen werden können.
Vertrauen in neue Regierung
Bei einer Konferenz für die Bieter in Amman zweifelten einige
Investoren an der Rechtmäßigkeit der Vergabe von Mobilfunklizenzen
bevor die irakische Souveränität wieder hergestellt ist. Die
Verwaltung antwortete, dass man erwarte, dass die auf zwei Jahre
ausgelegten Lizenzen von einer neuen Regierung erneuert werden
würden.
Die Ausschreibung mit Informationen
