18.07.2003

R.I.P.

Der langsame Tod Netscapes

Nach der Ankündigung der Muttergesellschaft AOL, auch künftig weiter auf den Internet Explorer als Zugangssoftware zu setzen, spekulierten viele bereits, dass Netscapes Stunden gezählt sein könnten.

Mit der nunmehrigen Entlassung von 58 Netscape-Entwicklern sehen sich Analysten des Marktforschers IDC bestätigt.

Obwohl AOL die Marke und die dazugehörige Website weiterführen, sowie bisherige Versionen weiter unterstützen möchte, bezeichnet IDC-Analyst Jonathan Gaw Netscape als "noch nicht tot, aber Zombie-ähnlich." Er rechne in näherer Zukunft nicht mehr mit einer neuen Version.

Schilder abmontiert

AOL bemüht sich zwar zu unterstreichen, dass der Browser weiterhin eine Schlüsselfigur in seiner Multimarken-Strategie einnehmen werde, so zumindest AOL-Sprecher Andrew Weinstein.

Doch die Streichung von zehn Prozent des Netscape-Entwicklerteams und die Entfernung der Netscape-Logos von den Bürogebäuden sagen etwas anderes.

1998 von AOL gekauft

Als AOL 1998 Netscape im Zuge eines Aktientausches kaufte, lagen der Browser, der für viele den ersten Einstieg ins Web ermöglichte, und sein Konkurrent Internet Explorer [IE] von Microsoft in der Verbreitung noch gleich auf.

Heute ist der IE mit über 90 Prozent uneinholbar an der Spitze und Netscape mit einigen Prozentpunkten gleichauf mit Opera oder Mozilla.

Microsoft hatte damals die Entwicklung des Internets vorerst verschlafen, legte aber sehr bald mit einer aggressiven Strategie seinen Internet Explorer nach, was schließlich zum sogenannten Browser-Krieg führen sollte.

Aus diesem ging, nicht zuletzt durch die Bündelung des IEs mit dem Microsoft Betriebsystem Windows, zuletzt der IE als Sieger heraus.

Der Kampf gegen Microsoft

Netscape war von AOL eigentlich als Gegenmittel gegen Microsofts Allmachtstellung gedacht, doch die Entwicklung neuer und innovativer Versionen dauert zu lange und Netscape verpasste den Anschluss.

Auch die Freigabe des Codes an die freie Entwicklergemeinde vermochte nicht beizeiten den Anstoß zu geben, den die Software für eine erfolgreiche Schlacht gebraucht hätte.

Die Dominanz des IE war auch mit ein Thema des Kartellrechts-Prozesses gegen Microsoft in den USA. Die Kläger warfen dem Konzern vor, durch die Bündelung des IE an Windows zu versuchen die Konkurrenz, darunter auch Netscape, auszuschließen.