Telenor droht Verkauf von VimpelCom-Anteil

RUSSLAND
10.06.2009

Der Streit zwischen der norwegischen Telekomfirma Telenor und den russischen Behörden über ihren Anteil am Mobilfunkanbieter VimpelCom steht vor der Entscheidung.

Ein russisches Gericht soll noch am Mittwoch über die Berufung gegen die Beschlagnahme des 26,6-prozentigen Aktienpakets des russischen Mobilfunkbetreibers VimpelCom entscheiden, berichtete die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Bei VimpelCom ist seit Anfang April Ex-Telekom-Austria-Boss Boris Nemsic neuer Chef.

Sollte Telenor das Berufungsverfahren verlieren, dann wollen die Gerichtsvollzieher laut den russischen Zeitungen "RBC Daily" und "Wedomosti" den Anteil sofort verkaufen. Der Wert der beschlagnahmten Aktien wird auf 3,9 bis 4,2 Milliarden Dollar (rund drei Mrd. Euro) geschätzt. Der Marktwert des beschlagnahmten Pakets sei höher als der Streitwert, doch das bedeute nicht, dass auf den Verkauf verzichtet werde. "Wenn so viele Aktien auf den Markt geraten, kann ihr Wert um 50 Prozent oder noch mehr fallen", meinte der Analyst Wladislaw Kotschetkow von der russischen Investitionsgesellschaft Finam.

Markteinstieg in Ukraine blockiert

RIA zufolge hatten Telenor-Vertreter im Aufsichtsrat von VimpelCom den Einstieg in den ukrainischen Markt blockiert. Die VimpelCom dadurch entstandenen Verluste für 2004 und 2005 bezifferte ein Berufungsgericht in Omsk auf 1,73 Milliarden Dollar (1,23 Mrd. Euro).

Anlässlich der Beschlagnahme kritisierte Telenor das Vorgehen der russischen Behörden vehement: "Es handelt sich um ein illegales Vorgehen, das von russischen Gerichten unterstützt wird und dem Ansehen Russlands schadet." Unterstützung kam von der norwegischen Regierung, die alles Mögliche zur Unterstützung von Telenor tun wollte.

Wer hat geklagt?

Der russische Telenor-Partner Alfa Group des Milliardärs Michail Fridman wies damals die Vorwürfe von Telenor zurück, die Klage bei den Gerichten eingebracht zu haben. Die Klage sei von einem kleinen VimpelCom-Anteilseigner mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln eingereicht worden. Sie wirft den Norwegern im Gegenzug vor, Alfa mit Hilfe eines Gerichtsprozesses in den USA aus einer Gemeinschaftsfirma in der Ukraine drängen zu wollen.

VimpelCom hat 62,7 Millionen Mobilfunknutzer in Russland und der GUS. Aktionäre sind Altimo mit 44 Prozent stimmberechtigter Aktien und Telenor mit 29,9 Prozent. 24,3 Prozent sind an der Börse in New York im Umlauf. Ende 2008 konnte ein Umsatz von 10,12 Milliarden Dollar erzielt werden, der Nettogewinn lag bei 524 Millionen Dollar.

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(APA)