Milliardenstreit über VimpelCom wird härter
Den scheidenden TA-Chef Boris Nemsic erwartet bei der russischen VimpelCom ein harter Verdrängungskampf zwischen den Hauptanteilseignern Telenor und Alfa Group.
Über den russischen Telekommunikationskonzern VimpelCom, den neuen Arbeitgeber des scheidenden Telekom-Austria-CEOs Boris Nemsic, tobt schon seit Jahren ein heftiger Streit zwischen den norwegischen und russischen Hauptanteilseignern, der sich am Mittwoch noch verschärfte. Nemsic wird seine neue Chefposition bei der VimpelCom bereits am 1. April 2009 übernehmen.
Einer der Anteilseigner an dem Unternehmen, die norwegische Telenor ASA, legte am Mittwoch Berufung gegen die Anweisung eines Gerichts in der sibirischen Stadt Omsk ein, die Telenor am 20. Februar 2009 zur Zahlung von 1,7 Milliarden US-Dollar Schadenersatz an die Firma Farimex Products Inc. verurteilt hatte.
Von den Jungferninseln nach Sibirien
Farimex, eine auf den Britischen Jungferninseln registrierte Gesellschaft, hält 0,002 Prozent an VimpelCom. Sie hatte Telenor in Russland geklagt, weil die Norweger angeblich die Übernahme des ukrainischen Mobilfunkers Ukrainian Radio Systems (URS) verzögert und der Farimex damit Verdienstausfälle beschert hätten. Jan Edvard Thygesen, Osteuropa-Chef von Telenor, wies die Entscheidung des Omsker Gerichts zurück. Er hoffe darauf, dass die höheren russischen Gerichte die groben Fehler im sibirischen Verfahren feststellen würden.
Bei dem Streit geht es letztlich darum, wer die Kontrolle über das 1992 gegründete Telekomunternehmen erhalten soll. Telenor, das 29,9 Prozent an VimpelCom hält, vermutet laut einer Meldung der US-Nachrichtenagentur Associated Press, dass hinter Farimex niemand anderer steckt als die Alfa Group des russischen Oligarchen Michail Fridman, die über ihren Telekominvestitionsarm Altimo 44 Prozent der VimpelCom besitzt.
Jahrelanger Machtkampf
Der Multimilliardär Fridman, auf der "Forbes"-Liste der reichsten Menschen der Welt derzeit immerhin auf Platz 20, versucht schon seit mehreren Jahren, Telenor aus Vimpelcom herauszudrängen. "Forbes" schreibt Fridman exzellente Kontakte zu Russlands Ministerpräsidenten Wladimir Putin zu.
Im September 2006 etwa meldete die russische Wirtschaftszeitung "Kommersant", dass sich die Alfa Group mit Unterstützung einer deutschen Investitionsbank über ein komplexes Firmengeflecht die Erlaubnis zum Erwerb von 25 Prozent an Vimpelcom verschafft habe. Schon diese Aktion habe dazu gedient, mehr Spielraum im Streit mit Telenor zu bekommen, so "Kommersant".
Der Rechtsstreit zwischen Telenor und Farimex soll laut dem Anwalt der Norweger, Georgi Tschernischiow, voraussichtlich Ende Mai vor dem westsibirischen Bezirksgericht in Tjumen fortgesetzt werden. Eine außergerichtliche Einigung lehnen die Telenor-Vertreter ab.
(AP/futurezone)
