"Spam gefährdet das E-Mail-System"
"Das Ausmaß des Spam-Problems hat einen Punkt erreicht, an der die normale Funktion des E-Mail-Systems gefährdet ist," heißt das offizielle Fazit eines Kongresses zum Thema, den die US-Handelsbehörde FTC ausgerichtet hat.
"Die Lage ist schlimmer, als gedacht," fasste die FTC-Direktorin für Marketing-Methoden, Eileen Harrington, ihre Eindrücke auf der Schlussveranstaltung zusammen.
Pünktlich zum Kongress hat Brightmail auch eine neue Statistik vorgelegt, die den Anteil der unerwünschten Werbesendungen am E-Mail-Aufkommen von 40 auf 45 Prozent weiter hochschraubt.
Ruf nach härteren Gesetzen
Viele Teilnehmer der Konferenz verlangten vor allem nach härteren Gesetzen gegen Spam.
Dabei spielen einerseits die US-Gesetze eine besondere Rolle, da ein Großteil des Spams von den USA aus abgeschickt wird. So scherzte eine japanischer Konferenz-Teilnehmer, dass sein Land die amerikanische Kultur in einem unfreiwilligen Gratis-Kurs via E-Mail gründlich kennen lernen würde.
Andererseits herrschte weit gehend Einigkeit darüber, dass die Gesetzgeber weltweit reagieren müssten, da die Spammer schon immer sehr flexibel reagiert hätten.
Zunächst sollten aber strengere und vor allem einheitliche Gesetze in den USA die derzeitige Spam-Praxis erschweren. Momentan gibt es nämlich noch 29 verschiedene US-Regelungen.
Der US-Bundesstaat Virginia hat erst diese Woche angekündigt, ab sofort mit besonders harten Strafen gegen die Versender unerwünschter Werbemails vorzugehen: Gouverneur Mark Warner hat dazu zwei Gesetze unterzeichnet, die für verschiedene Spam-Taktiken Haftstrafen von bis zu fünf Jahren vorsehen.
Daneben dürfen die Behörden auch alle Gewinne, die Spammer aus ihrer Tätigkeit ziehen, sowie alle verwendeten Geräte beschlagnahmen.
Virginia: Spammern drohen fünf Jahre HaftEinzelne Maßnahmen ungenügend
Der schlichte Ruf nach strengeren Gesetzen wurde auf der Konferenz aber auch kritisiert: "Kein einzelnes Gesetz, keine einzelne Technologie und keine einzelne Veranstaltung wird das Problem lösen" gab sich ein FTC-Fachmann überzeugt.
Vielmehr müssten auf allen Ebenen fortgesetzte Anstrengungen unternommen werden.
Als ermutigendes Beispiel wurde die Kooperation der drei großen Webmailanbieter Microsoft, AOL und Yahoo genannt. Die üblicherweise bitteren Rivalen wollen zusammen verstärkt Versender von Spam-Mails ausfindig machen und Industriestandards erforschen, die das Versenden von Massenmails einschränken.
Die "E-Mail Service Provider Coalition" [ESPC] will unterdessen mit einem eigenen Projekt dem Problem von Spam-Mails Herr werden.
"Project Lumos" soll dem Abhilfe schaffen, indem alle Absender von Mails eindeutig identifiziert werden können. Die Benutzer können so unerwünschte E-Mails leichter identifizieren und blockieren.
Der Filterungsprozess könnte damit schon beim Provider stattfinden, ohne dass unerwünschte Nachrichten weiterhin durchschlüpfen oder erwünschte E-Mails herausgefiltert werden. Gleichzeitig können Spammer so zur Rechenschaft gezogen werden.
Mailanbieter kooperieren gegen Spam
