IT-Branche fordert Staat zu Investitionen auf

DISKUSSION
27.02.2009

Experten aus der IT-Branche haben am Donnerstag beim EBC-Podium im Haus der Musik in Wien über die Chancen und Risiken von IT-Investitionen während der Wirtschaftskrise diskutiert. Speziell der Staat solle die Investitionsbremse lockern, so die Experten.

Die sechs anwesenden Experten aus unterschiedlich großen IT-Unternehmen vom Riesen Microsoft bis zum 30-Personen-Betrieb Senactive waren sich einig, dass es sich gerade in Krisenzeiten lohnen würde, in den IT-Bereich zu investieren, doch es fehle oft der Mut bei den Unternehmen.

"Vorhandene Hardware wird einfach länger benutzt, das ist ähnlich wie in der Automobilbranche, man wechselt einfach nicht so schnell sein Auto", so Oliver Krizek, CEO von Navax.

Schnelle Erfolge zählen

Große Projekte würden derzeit eher nach verschoben, kleinere würden jedoch gut weiterlaufen. Unternehmen wollen in Krisenzeiten schneller Erfolge sehen, hieß es auf dem Podium unter allgemeinem Kopfnicken. Wolfgang Leindecker von NextiraOne merkte an, dass es in Österreich derzeit gerade der öffentliche Bereich sei, etwa die Ministerien, in dem alle IT-Projekte gestoppt würden. Er appellierte an den öffentlichen Sektor, die Investitionstätigkeit wieder aufzunehmen. Das würde dem Standort Österreich mittelfristig einen Vorteil verschaffen.

USA investieren trotz Krise ungebremst

Die Experten verwiesen darauf, dass weltweit sehr unterschiedlich an die Krise herangegangen werde. Wolfgang Egger von Hewlett-Packard (HP) merkte etwa an, dass die Amerikaner mit mehr Zuversicht investieren würden. Marc Stolte von Microsoft Österreich bestätigte das: "Die Amerikaner investieren weiter durch, während die Europäer auf der Bremse stehen." Ein massiver Projektstopp sei vor allem in Osteuropa zu verzeichnen, auch die Märkte in Spanien, Italien und Dubai seien am Einbrechen.

Outsourcing und UC als Krisengewinner

Doch nicht alle Bereiche der IT seien von der Krise gleichermaßen betroffen, vor allem Outsourcing gewinne derzeit massiv an Bedeutung. Manfred Wagner von Capgemini warf ein: "Aus Verzweiflung geht man wieder mehr Risiken ein." Auch Microsoft und HP sehen einen Trend zu Hosting und Cloud-Computing in Österreich. Egger von HP sieht darin eine "Riesenchance, neue Märkte zu erobern".

Leindecker von NextiraOne sieht vor allem im Bereich der Unified Communication (UC) einen Krisengewinner. "Solche Anwendungen sind im Privatbereich selbstverständlich, jetzt werden sie immer häufiger in Unternehmen eingebaut. Unternehmen investieren in Mobility. Voice-Over-WLAN-Anwendungen am Handy werden Teil der Unternehmensinfrakstruktur. Diese Sparte ist einer der Gewinner bei Aufstockungen des IT-Budgets in Unternehmen."

Müssen sich große Unternehmen fürchten, gewisse Trends wie die einfache Vernetzung von Mitarbeitern via Facebook zu verschlafen? "Meine Unternehmensdaten stelle ich sicher nicht ins Facebook, die Nutzung wird sich aber definitiv verändern. In ein paar Jahren wird man alles nur noch online machen, etwa Programm-Updates via DVD werden der Vergangenheit angehören", sagte Stolte.

"Krise bis Mitte 2010 spürbar"

Auf die letzte Frage bei der EBC-Podiumsdiskussion reagierten die Experten unterschiedlich. Microsoft Österreich gab sich mittelfristig optimistisch. "In etwa sechs Monaten fangen wir wieder an, das Wort Wachstum in den Mund zu nehmen. Wenn es schlechtgeht, in zwölf Monaten", so Stolte.

Wagner von Capgemini gab sich weniger optimistisch. Ein halbes Jahr sei zu kurz, er rechne, dass die Krise mindestens bis Mitte 2010 anhalten werde. Leindecker von NextiraOne rechnete damit, dass es in drei bis sechs Monaten besser werde, aber die Auswirkungen noch mindestens fünf Jahre spürbar sein würden.

Erst am Donnerstag hatte sich Microsofts Finanzchef gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters zum selben Thema geäußert: Er gehe davon aus, dass die Technologiebranche mindestens noch ein Jahr unter den Auswirkungen der Wirtschaftskrise leiden werde. "Unabhängig davon was Politiker und andere sagen, wird das Geschäftsumfeld wahrscheinlich ein oder zwei Jahre schwierig bleiben", so Christopher Liddell.

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(futurezone / Barbara Wimmer)