Start für Open-Source-Netzwerk in Österreich
Eine europäische Initiative der Open-Source-Branche, die Open Source Business Foundation, hat am Dienstag ihre eigenständige Sektion für Österreich vorgestellt. Gründungsmitglieder sind acht heimische IT-Unternehmen.
Die Open Source Business Foundation Austria (OSBF Austria) hat derzeit acht Mitglieder: Aschauer EDV, dccs, Frank Linux Systems, free-com, go-mobile, it-novum, Kinamu und Pontis. Die Dachorgansiation in Deutschland zählt bereits mehr als 150 Mitglieder, darunter auch Microsoft. Auch in Italien und Spanien gibt es laut Michael Kienle, Geschäftsführer des OSBF-Mitgliedsunternehmens it-novum, Bestrebungen, lokale Initiativen zu gründen.
Lobbying in Richtung EU
Ziel der österreichischen Vereinigung, die sich erst im April offiziell konstituieren wird, ist, die Open-Source-Software- und -Dienstleistungsindustrie zu stärken und im Bereich Entwicklung und Dienstleistung Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern. Dazu werden Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen eingerichtet, die sich erst formieren müssen. Typische Arbeitsfelder sind rechtliche Aspekte von Patentierungen und Lizenzen, kommunale Vergaberichtlinien und die Förderung des Einsatzes von Open-Source-Software im Mittelstand. Gründungsmitglied Michael Kalaus von it-novum nannte als Ziel allerdings auch Lobbying in Richtung EU. Auch internationale Open-Source-Projekte im EU-Bereich sollen nicht außer Acht gelassen werden.
Open Source als Geschäftsmodell
Die Wiener Venture-Capital-Gesellschaft Pontis erklärte ihren Beitritt zur OSBF Austria folgendermaßen: "Für uns ist Open Source ein Geschäftsmodell, das wir am Markt etablieren wollen. Open Source bietet mehr Flexibilität. Gerade in Krisenzeiten wie diesen wollen Kunden Servicemodelle mit niedrigen Kosten und hoher Qualität. Mit unserem Beitritt wollen wir zur Ausweitung der anwenderorientierten Open-Source-Community beitragen."
Zur in der Vergangenheit oft gestellten Frage, ob die Personalkosten für die Einrichtung einer eigenen Open-Source-IT-Abteilung in Unternehmen nicht zu hoch seien, sagte it-novum Geschäftsführer Kalaus: "Das ist nicht mehr so." Man müsse sich lediglich mit dem Thema auskennen, wie etwa CRM, aber man brauche heutzutage keine eigene Open-Source-IT-Abteilung mehr. Gerade das wolle man mit der OSBF auch der Öffentlichkeit vermitteln.
Profit durch die Wirtschaftskrise
It-novum, Aschauer EDV und Kinamu bestätigten zudem den Trend, dass in Krisenzeiten immer mehr Unternehmen aus Kostengründen zu Open-Source-Lösungen greifen oder zumindest darüber nachdenken. Christian Knoll, CEO von Kinamu, sprach gegenüber ORF.at von einer "Riesennachfrage" seit November 2008 gerade im CRM-Bereich bei Kinamu. Die Nachfrage wolle gar nicht mehr enden, so Knoll. Kalaus von it-novum merkte an, dass die Open-Source-Vorträge auf der ITnT-Messe bis auf den letzten Platz gefüllt gewesen seien, was immer ein guter Indikator für die Zukunft sei. Konkrete Zahlen gaben die Unternehmen allerdings nicht bekannt.
Bernd Aschauer von Aschauer EDV sieht einen Paradigmenwechsel stattfinden. Es sei mehr möglich denn je, auch Closed-Source-Hersteller gerieten zunehmend unter Druck. "Auch bei den Closed-Source-Herstellern findet langsam ein Umdenken statt. Derzeit gibt es Rabatte jenseits der Grenze. Closed-Source-Hersteller werden dazu gezwungen, schlanker zu werden."
Doch was plant die OSBF Austria konkret? Kalaus berichtete ORF.at von verschiedenen Ideen, die man als OSBF Austria umsetzen könne. Zur Debatte stehen etwa eine aufklärende Veranstaltung für Endkunden sowie die Ausrichtung der nächsten internationalen OSBF-Netzwerkveranstaltung in Wien.
~ Link: Zeitplan für Linuxwochen 2009 erschienen (../http://www.fuzo-archiv.at/?id=1502702v2) ~
(futurezone/Barbara Wimmer)
