TA im Verdacht des Mitarbeiter-Mobbings
Bei der Telekom Austria (TA) sollte offenbar versucht werden, Mitarbeiter mit harten Methoden zur Kündigung zu bewegen. TA-Vorstand Gernot Schieszler erklärte jüngst das Prozedere, wie ein Online-Video belegt. Laut TA-Betriebsrat gibt es keine Hinweise auf Mitarbeiter-Mobbing.
Schieszler, Festnetzfinanzchef und stellvertretender Festnetz-CEO, erklärte auf dem Capital Market Day am 29. Jänner auf die Frage eines Investors zum Abbau von angeblich überzähligen beamteten Mitarbeitern (frei aus dem Englischen übersetzt): "Unsere Aufgabe ist es, ein Telekomunternehmen wertsteigernd zu führen, und nicht, in Gärten alter Damen zu graben." Daher habe man entschieden, Mitarbeiter "aus dem Prozess herauszunehmen".
"Golden Handshakes"
Sollte es nicht möglich sein, diese Mitarbeiter umzuschulen oder in andere Unternehmensbereiche zu verleasen, begänne man, "sie daheim sitzen zu lassen", und würde ihnen dabei verschiedene Sozialpläne anbieten.
Die Leute würden sich während dieses vier Monate dauernenden Prozesses vielleicht die ersten sechs bis acht Wochen wohl fühlen, ab Februar wolle die TA aber damit beginnen, die Mitarbeiter anzurufen, um sie ein paar Tage zur Arbeit zu rufen. "Dann werden die Leute am Telefon krank, und der Arzt kommt, und wenn der dann feststellt, dass sie nicht krank sind, werden wir sie klagen", so Schieszler. "Ich denke, das wird dazu führen, dass ein paar mehr Mitarbeiter das Angebot des Golden Handshake 2009 annehmen."
Schieszler distanziert sich
Der "Standard" berichtet, dass sich Schieszler am Donnerstag im firmeneigenen Intranet von diesen Aussagen distanzierte. Er habe "bedauerlicherweise Aussagen unglücklich und missverständlich gewählt".
Auf APA-Anfrage hieß es aus der TA, Schieszler, der bei der TA auch für das Peronsonal zuständig ist, habe sofort reagiert und sich an die Mitarbeiter gewandt, um sich von den Aussagen zu distanzieren. Diese seien missverständlich wiedergegeben worden. Der Festnetzfinanzchef habe in der Vergangenheit bewiesen, dass der bisherige Personalabbau sehr sozial verträglich und vorbildlich durchgeführt worden sei. Einen Grund für Konsequenzen sieht das Unternehmen nicht.
Betriebsrat: Noch keine Beweise für Mobbing
Der Betriebsratsobmann der TA, Michael Kolek, sagte gegenüber ORF.at, dass der Betriebsrat selbst erst letzte Woche von den in dem Video dokumentierten Aussagen erfahren habe. Auch gegenüber dem Betriebsrat habe der TA-Vorstand erklärt, dass die Aussagen unglücklich wiedergegeben worden seien.
Bisher gebe es keine Hinweise oder Beweise dafür, dass Mitarbeiter mit den beschriebenen Maßnahmen aus dem Unternehmen gedrängt würden, so Kolek. Der Betriebsrat habe dennoch vorerst die Mitarbeit in den diversen Arbeitsgruppen gestoppt und werden sich am Mittwoch zu Beratungen über die weitere Vorgangsweise treffen.
Schieszler selbst habe sich letzte Woche in einer E-Mail an die Mitarbeiter gewandt und darin erklärt, man solle ihn an seinen Taten messen und nicht an den Aussagen von Ende Jänner - das will auch Kolek tun: "Mir ist lieber, er zeigt als Personalverantwortlicher, dass er wirklich was für die Leute tut, als dass er wegkommt."
TA weist Vorwürfe zurück
In einer Aussendung wies die TA am Nachmittag die Vorwürfe zurück. Im Zuge der Personalrestrukturierung seien umfangreiche Vorkehrungen getroffen worden, um den Personalabbau möglichst sozial zu gestalten.
Mitarbeiter, die vom Abbau betroffen sind, würden im Rahmen eines Sozialplanes attraktive Golden Handshakes, Vorruhestände, Karenzierungen und in einer Arbeitsstiftung Weiterbildung und Jobvermittlung angeboten bekommen. Mitarbeiter, die diese Angebote nicht annehmen, würden bei fast vollen Bezügen vom Dienst frei gestellt. Auch sonst werde alles getan, um die Mitarbeiter möglichst professionell zu begleiten.
(APA/futurezone)
