04.02.2003

COLUMBIA

Bildquelle: APA/ORF.at

Bordcomputer nun unter Verdacht

Auf der Suche nach der Absturzursache der Columbia hat sich neben dem beschädigten Hitzeschild ein neuer Verdacht aufgetan. Die Experten der NASA untersuchen nun vor allem die von den Bordcomputern gesendeten Daten auf etwaige Hinweise und Fehlleistungen.

Laut NASA haben die Systeme zwar genauso funktioniert wie sie programmiert waren, doch genau das könnte der Fehler gewesen sein. Durch Simulationen des Unglücks soll nun herausgefunden werden, ob die Software die veränderten Bedingungen beim Landeanflug über- oder unterkompensiert und dadurch zum Absturz beigetragen hat.

Bis jetzt konnten allerdings 32 Sekunden an Daten, die dazu beitragen könnten zu erklären, was passiert ist nachdem der Funkkontakt abgerissen ist, noch nicht vollständig ausgewertet werden.

Der bisherige Wissensstand

Beim Eintritt in die Erdatmosphäre registrierten die Bordcomputer einen Temperaturanstieg am linken Flügel des Shuttles sowie einen Anstieg des Luftwiderstands. Der Autopilot zündete daraufhin zwei der vier rechten Steuerungsdüsen um die Fähre auf Kurs zu halten. Bis dato eine der größten Kurskorrekturen beim Landeanflug.

Diese könnte zu massiv gewesen sein. Die Unterseite des Shuttles wird normalerweise beim Eintritt als "Bremskörper" eingesetzt, die Friktion der immer dichter werdenden Atmosphäre bremst das Shuttle ab.

Die Unterseite des Shuttles ist daher flächendeckend mit keramischen Hitzeschilden versehen. Eine Drehung des Shuttles in den rasenden Fahrtwind, der die Außenhülle schon unter optimalen Bedingungen auf gut 1000 Grad Celsius erhitzt, könnte die "Columbia" schlicht zerissen haben.

Kumulative Ereignisse

Experten bezweifeln zwar, dass ein Softwarefehler der alleinige Grund für den Absturz gewesen ist, zumindest aber könnte er beigetragen haben. Bei der NASA wird außerdem darüber spekuliert, ob die Computer sich einfach nicht schnell genug an die veränderte Situation anpassen konnten.

Bereits im März 1996 kam es bei einem Shuttle-Flug in der Landephase zu einem Teilausfall eines Computersystems, das die Landeklappen des linken Flügels kontrollieren sollte. Der Fehler war nicht gravierend, und das Shuttle "Columbia" schaffte es sicher zum Boden.

Fünf Bordcomputer steuerten das Shuttle, die auf zahlreiche redundante Systeme zugreifen konnten, sollte ein wichtiges Teil versagen. Viele der verwendeten Komponenten sind handgearbeitete Hi-Tech vom Feinsten, doch nicht alles: Große Teile der Computeranlagen sind Standard-Bauteile und mittlerweile nach irdischen Maßstäben veraltet.