28.01.2003

VORWURF

Bildquelle: ORF.at/TA

Provider nach "TA-Dolchstoß" insolvent

Die über die Medien erfolgte Ankündigung der Telekom Austria [TA], dem Internet-Provider Profinet die Leitungen abdrehen zu wollen, sei "ein gezielter Dolchstoß" gewesen, "der dem Opfer keine Chance ließ", behauptet der Generalsekretär des Verbands der Internet-Service-Provider Österreichs [ISPA], Kurt Einzinger. Profinet hatte gestern Nacht Konkurs angemeldet.

Die TA habe ihre marktbeherrschende Stellung klar ausgenützt, in der Vorgangsweise lasse sich nur "wenig Lösungswillen der TA erkennen", so Einzinger.

Im Gegensatz zu sonstigen Gläubigerverhältnissen habe es die TA als größter Internet-Provider in der Hand, bei Zahlungsverzug die Zahlungssäumigen allein durch die öffentliche Ankündigung der Leitungsabschaltung wirtschaftlich zu schädigen.

Regelwerk gefordert

Künftig sollte bei Zahlungsverzug von Internet-Providern gegenüber der TA "ein klares, verbindliches Regelwerk zur Abwicklung und Lösung der Situation erstellt werden", forderte Einzinger.

Darin soll etwa die rechtzeitige Ankündigung des Zahlungsverzugs und der Abschaltungsabsicht beim Telekom-Regulator [RTR] festgeschrieben werden. Die RTR solle dann die Rechtmäßigkeit der Forderungen überprüfen und bei strittigen Rechnungen den Streit zu schlichten versuchen.

Abschaltungsandrohung nicht ankündigen

Dem Provider müsse außerdem die Möglichkeit eines Abzahlungsplanes eingeräumt werden [Cooling-off-Period], fordert die ISPA weiter.

Vor allem aber, so Einzinger weiter, dürfe auf keinen Fall die Abschaltung der Leitungen öffentlich angekündigt werden. Die TA dürfe keinen Vorteil [durch Übernahme der Kunden] aus einer Leitungsabschaltung eines ISP ziehen.

Die Kunden sollten daher nur durch den Internet-Anbieter selbst über die Situation informiert werden dürfen und der Anbieter sollte die Möglichkeit erhalten, binnen einer Frist seine Kunden an einen anderen alternativen Internet-Anbieter abzugeben, verlangt Einzinger.