"TK-Liberalisierung vor dem Scheitern"
Nach der Ankündigung der Telekom Austria [TA], dem Provider Profinet wegen Zahlungsrückständen die Netze abdrehen zu wollen, hat Profinet gestern Nacht Konkurs angemeldet.
Für die angedrohte Netzabschaltung sieht Profinet-Vorstand Peter Sattler aber "keine wirtschaftlichen, sondern strategische Gründe" seitens der TA.
Die TA betont indes, die Profinet-Kunden erst vom Netz trennen zu wollen, wenn sie einen neuen Provider gefunden hätten. Die Verbindlichkeiten von Profinet bei der TA belaufen sich laut Branchenkreisen auf einen niedrigen einstelligen Millionen-Euro-Betrag.
Die aus acht Gesellschaften bestehende Profinet-Gruppe, die unter anderem im Handelsbereich tätig ist, setzte im Telekom-Bereich zuletzt mit 22 Mitarbeitern in Wien, Linz und Graz rund sechs Mio. Euro um. Die gesamte Gruppe kam zuletzt mit 44 Mitarbeitern auf einen Umsatz von zwölf Mio. Euro. Unter den rund 10.000 bis 12.000 Profinet-Kunden im Telekom-Bereich finden sich auch Kunden aus dem medizinischen Bereich, die durch eine Netzabschaltung massiv gefährdet seien, berichtete Sattler.
"Hilfe" für Kunden von Profinet"TK-Liberalisierung vor dem Scheitern"
Durch das Platzen der Internet-Blase, die Telekom-Krise, den Preisverfall im Internet-Geschäft und die Wirtschaftsflaute seien Profinet und seine Tochter Plus Communications Handelsgesellschaft mbH in eine "extrem schwierige Situation" gekommen, so Sattler heute.
Seit einem halben Jahr habe sich die Situation aber wieder verbessert und Profinet schreibe seit Juli 2002 operativ wieder ausgeglichene Ergebnisse.
Die Aufkündigung der Verträge durch die TA und die angedrohte Netzabschaltung sind für Sattler daher wirtschaftlich nicht nachvollziehbar: "Die TA ist kein normaler Gläubiger. Wenn das so weitergeht, ist die Telekom-Liberalisierung in Österreich knapp vor dem endgültigen Scheitern."
Profinet habe der TA im Oktober 2002 ein Konzept vorgelegt, um die offenen Forderungen zumindest teilweise decken zu können, Bankgarantie habe man aber keine vorlegen können, so Sattler. Profinet habe der TA u.a. Telekom-Equipment wie Router und Switches zur Verwendung angeboten. Die TA habe dieses Konzept aber mangels Sicherheiten abgelehnt.
ProfinetKeine andere Wahl
"Wir hätten eine sichere Finanzierung und eine Bankgarantie gebraucht", meinte TA-Sprecher Martin Bredl dazu.
Profinet habe den überwiegende Teil der Rechnungen aus dem Jahre 2002 und Forderungen aus dem Jahre 2001 bis heute nicht beglichen.
Die Kündigung der Verträge mit Profinet sei daher weiterhin aufrecht, die Leitungen würden aber erst abgeschaltet, wenn die Kunden einen neuen Provider gefunden hätten.
Seit gestern sind zwei Masseverwalter - für Profinet und für Plus Communications - im Einsatz, die sich laut Sattler um eine Fortführung der Unternehmen bemühen. Für morgen ist ein Gespräch der Masseverwaltung mit der TA anberaumt.
