EU-Prestigerakete wurde gesprengt
Auch im zweiten Anlauf ist der Flug der neuen europäischen Trägerrakete Ariane 5-Plus in der Nacht zum Donnerstag spektakulär fehlgeschlagen.
Nur drei Minuten nach dem Start vom Raumfahrtbahnhof Kourou in Französisch-Guyana musste die Rakete in einer Höhe von 120 Kilometern aus Sicherheitsgründen gesprengt werden. Ihre Reste verglühen im Atlantik.
Die Treibstoffzufuhr sei abgebrochen, berichtete Arianespace-Chef Jean-Yves Le Gall in Kourou. Die Umstände seien noch völlig unklar.
"Das ist ein ernster Fehlschlag", sagte Le Gall sichtlich bewegt. Eine Erklärung sei vorerst nicht möglich. "Unsere Teams sind bereits bei der Arbeit."
Das gesamte Programm von Arianespace werde sich durch den Fehlschlag verzögern, sagte Le Gall. Es müssten 700 verschiedene Parameter untersucht werden, um festzustellen, was zu dem Scheitern der Mission geführt habe.
Zweiter Fehlstart binnen 14 Tagen
Es war der zweite Starversuch binnen 14 Tagen. Am 28. November
war der Countdown in beinahe letzter Sekunde wegen einer
Computerpanne gestoppt worden.
Computerpanne verhindert Ariane-StartKommunikationssatelliten zerstört
Astrium-Vorstandsmitglied Josef Kind sieht in der elektronischen Steuerungsplattform der Rakete eine mögliche Fehlerquelle.
Die Ariane sei in rund 100 Kilometer Höhe nach Abwurf der Hilfsraketen und Zündung des Haupttriebwerks in eine zu flache Flugbahn geraten und instabil geworden, sagte Kind in der Nacht.
Bei der Sprengung der Ariane 5 sind auch die zwei Kommunikationssatelliten zerstört worden, die sich an Bord befanden, der "Hot Bird TM-7" des europäischen Satellitenbetreibers Eutelsat sowie der "Stentor", der Experimente auf dem Kommunikationssektor für die französische Raumfahrtorganisation CNES ausführen sollte.
Der Wert der Satelliten lag nach Angaben von Kind im dreistelligen Millionenbereich bei mindestens 635 Millionen Euro. Der "Hot Bird" sei versichert gewesen, der "Stentor" dagegen nicht.
Ariane 5Europäisches Prestigeprojekt
Die neue Ariane 5 sollte der übrigen Welt eigentlich zeigen, dass
Europa beim Geschäft mit den kommerziellen Satelliten auch weiter
die Nase vorn hat. Sie war die derzeit stärkste zivile Trägerrakete
der Welt: Bis zu zehn Tonnen Nutzlast sollte das Kraftpaket ins
Weltall transportieren können.
Europas Hoffnungs-TrägerraketeCODIS-Projekt geplatzt
Durch die Sprengung der Rakete ist auch ein Projekt an der Uni Wien geplatzt.
Das Institut für Informatik und Wirtschaftsinformatik hätte als Teil des EU-Projektes CODIS [Content Delivery Improvement by Satellite] Experimente mit dem Kommunikationssatelliten "Stentor" durchführen sollen.
Es sollte ein "Content Delivery Network" [CDN] aufgebaut werden, das als Zuspielsystem für TV- und Zusatzdatendienste [IP-Video-Streaming, MPEG-4/-7-Übertragung, Internet-Zugang ...] für terrestrische Netze eingesetzt werden sollte.
