12.12.2002

SPEKTAKULÄR

Bildquelle: esa

EU-Prestigerakete wurde gesprengt

Auch im zweiten Anlauf ist der Flug der neuen europäischen Trägerrakete Ariane 5-Plus in der Nacht zum Donnerstag spektakulär fehlgeschlagen.

Nur drei Minuten nach dem Start vom Raumfahrtbahnhof Kourou in Französisch-Guyana musste die Rakete in einer Höhe von 120 Kilometern aus Sicherheitsgründen gesprengt werden. Ihre Reste verglühen im Atlantik.

Die Treibstoffzufuhr sei abgebrochen, berichtete Arianespace-Chef Jean-Yves Le Gall in Kourou. Die Umstände seien noch völlig unklar.

"Das ist ein ernster Fehlschlag", sagte Le Gall sichtlich bewegt. Eine Erklärung sei vorerst nicht möglich. "Unsere Teams sind bereits bei der Arbeit."

Das gesamte Programm von Arianespace werde sich durch den Fehlschlag verzögern, sagte Le Gall. Es müssten 700 verschiedene Parameter untersucht werden, um festzustellen, was zu dem Scheitern der Mission geführt habe.

Kommunikationssatelliten zerstört

Astrium-Vorstandsmitglied Josef Kind sieht in der elektronischen Steuerungsplattform der Rakete eine mögliche Fehlerquelle.

Die Ariane sei in rund 100 Kilometer Höhe nach Abwurf der Hilfsraketen und Zündung des Haupttriebwerks in eine zu flache Flugbahn geraten und instabil geworden, sagte Kind in der Nacht.

Bei der Sprengung der Ariane 5 sind auch die zwei Kommunikationssatelliten zerstört worden, die sich an Bord befanden, der "Hot Bird TM-7" des europäischen Satellitenbetreibers Eutelsat sowie der "Stentor", der Experimente auf dem Kommunikationssektor für die französische Raumfahrtorganisation CNES ausführen sollte.

CODIS-Projekt geplatzt

Durch die Sprengung der Rakete ist auch ein Projekt an der Uni Wien geplatzt.

Das Institut für Informatik und Wirtschaftsinformatik hätte als Teil des EU-Projektes CODIS [Content Delivery Improvement by Satellite] Experimente mit dem Kommunikationssatelliten "Stentor" durchführen sollen.

Es sollte ein "Content Delivery Network" [CDN] aufgebaut werden, das als Zuspielsystem für TV- und Zusatzdatendienste [IP-Video-Streaming, MPEG-4/-7-Übertragung, Internet-Zugang ...] für terrestrische Netze eingesetzt werden sollte.