Viel Wind um keine Reform bei DT
Nach beinahe viermonatiger schwieriger Suche wird T-Mobile-Chef Kai-Uwe Ricke am Freitag offiziell den Chefposten des zurückgetretenen Ron Sommer bei der Deutschen Telekom übernehmen.
Doch Branchenbeobachter rechnen nach dieser konservativen Wahl aus den eigenen Reihen beim Führungswechsel mit keinerlei großen Reformen.
Nach dem Motto "Außer Spesen nichts gewesen" bezweifelt vor allem die Arbeitnehmervertretung die Sinnhaftigkeit der aufwendigen Ablöse Sommers. Sowohl Interimschef Sihler als auch Nachfolger Ricke hielten beide weitgehend an der Strategie Sommers fest, Veränderungen gäbe es nicht.
Vater schon Vorstandschef bei Deutscher Bundespost
Ricke ist mit der DT tief verwurzelt. Schon sein Vater, Helmut
Ricke, war Vorstandschef beim Telekom-Vorläufer Deutsche Bundespost,
und nach der Privatisierung galt Kai-Uwe Ricke jahrelang als
Ziehsohn Sommers.
T-Mobile-Chef offiziell zum DT-Chef gekürtRadikale Maßnahmen abgewehrt
Ricke galt nach Sommers Rauswurf Mitte Juli vorerst mit 41 Jahren als noch zu jung.
Doch vor allem bei den Gewerkschaften fand die interne Lösung mit Ricke Unterstützung. Die Arbeitnehmer hatten befürchtet, dass ein konzernfremder Chef eine Radikalsanierung ohne Rücksicht auf die Mitarbeiter durchpeitschen würde.
Mit Ricke baut man darauf, den bereits angekündigten Stellenabbau von 50.000 Stellen nicht zu verschärfen.
Sommers Rücktritt
Der mehr als sieben Jahre amtierende Ron Sommer war im Juli
zurückgetreten, nachdem er wegen des Kurssturzes der T-Aktie, der
öffentlich als zu hoch kritisierten Vorstandsvergütung sowie der
starken Verschuldung des Unternehmens in die Kritik geraten war.
Ron Sommer tritt zurückEs bleibt alles besser
Auch bei der defizitären US-Mobilfunktochter T-Mobile USA [Voicestream], vergangenes Jahr unter der gemeinsamen Regie von Sommer und Ricke übernommen, will man der bisherigen Linie treu bleiben.
Der gewaltige und äußerst umstrittene Kaufpreis von 40 Milliarden Euro ließ nicht nur den Kurs der T-Aktie einbrechen, sondern auch die Schulden auf 64 Milliarden Euro steigen.
Eine Trennung vom kleinsten der sechs landesweiten Mobilfunkanbieter in den USA stehe jedoch derzeit nicht zur Debatte.
T-Mobile USA wird nicht verkauftStrategie bleibt
Übergangschef Helmut Sihler betonte noch am Mittwoch, an der von Ron Sommer aufgestellten Vier-Säulen-Strategie werde nichts grundsätzlich verändert.
Neben Mobilfunk und Internet gehören dazu auch das Festnetzgeschäft [T-Com] und die Systemleistung [T-Systems].
Alles in allem bleibt also schlicht alles besser bei der Deutschen Telekom.
