Ein "Drachen"-Prozessor gegen Intel
Die Online-Ausgabe der chinesischen Zeitung "People's Daily" berichtet vom ersten komplett im Land entwickelten Server "Soaring Dragon", der unter Linux läuft und auf einen chinesischen Chip aufbaut.
Der "Dragon Chip" soll dabei keine westlichen Patente berühren und dazu beitragen China von westlicher Technologie unabhängig zu machen.
Der Artikel nennt zwar keine technischen Details und hört sich streckenweise wie eine planwirtschaftliche Parteiverlautbarung an, unterstreicht dadurch allerdings das Vorhaben der chinesischen Regierung eine von Intel oder AMD unabhängige IT-Industrie aufzubauen.
Ähnliche Formulierungen waren in diesem Zusammenhang schon des öfteren bei der Propagierung der Linux-Distribution "Red Flag Linux" zu hören.
Der "Dragon Chip" wurde von der Firma Shuguang und der chinesischen Akademie der Wissenschaften entwickelt. Er soll unter dem Server-System "Shuguang Linux" laufen.
"People's Daily"-ArtikelSichere Infrastruktur
Dass es sich bei der Entwicklung um einen Server und nicht um ein Desktop-System handelt, dürfte kein Zufall sein:
China geht es offensichtlich zunächst darum, seine Infrastruktur unabhängig von westlichen Importen zu machen, wobei in dem "People's Daily"-Artikel auch explizit militärische Anwendungen erwähnt werden.
Dass das Land technologisch noch einigen Aufholbedarf hat, wird allerdings daraus ersichtlich, dass erst vor einem Jahr die erfolgreiche Entwicklung der ersten 32-bit-CPU bekannt gegeben wurde.
Der Prozessor namens "Fangzhou-1" wurde von der China Semiconductor Manufacturing International [SMIC] in der 0,25 Micron-Technologie gefertigt und wird von Chinas Nachrichtenagentur Xinhuan als "historischer Erfolg" für die Mikroelektronik gefeiert.
Erster 32-Bit-Prozessor aus ChinaAufholjagd
Chinas Regierungschef Zhu Rongji hat erst Anfang des Jahres Indien eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Informationstechnologien vorgeschlagen, um gemeinsam zu den führenden Anbietern von Informationstechnologie aufzusteigen.
Unbestritten in diesem Zusammenhang bleibt dabei das Marktpotential, das China besitzt. Derzeit ist das Land schon der weltweit drittgößte PC-Markt, der außerdem enorme Wachstumsraten aufweist.
Ob dieses Potential allerdings für den Aufbau einer unabhängigen und konkurrenzfähigen IT-Industrie genutzt werden kann, bleibt abzuwarten.
China will weltweiter IT-Primus werdenLinux statt Windows
China plant auch die Entwicklung eigener Desktop-Betriebssysteme, die in direkter Konkurrenz zu Microsoft Windows stehen sollen.
Das eigene System wird als notwendig erachtet, da vier große chinesische PC-Hersteller [Legend Holdings, TCL International Holdings, Great Wall und Tsinghua Tongfeng] inzwischen Windows XP auf ihren Rechnern vorinstallieren.
Mit dem eigenen Desktop-System und weiteren Projekten dieser Art will man ausländische Software wie Microsofts Windows vom chinesischen Markt weitgehend verdrängen und durch eigene Produkte ersetzen.
China entwickelt Konkurrenz zu Win98
