19.09.2002

OFFENSIVE

Bildquelle: LT

Mit billigen Linux-PCs gegen Microsoft

Sun Microsystems will Microsofts Dominanz auf dem Markt für Desktop-Betriebssysteme mit "billigen" Linux-PCs angreifen.

Das Unternehmen zielt dabei allerdings nicht auf den Konsumentensektor ab, sondern auf Großkunden wie Call-Center, Banken, Schulen und Behörden: "Die wichtigsten Argumente für die Geschäftskunden sollen dabei die deutliche Kostenreduzierung und die Unabhängigkeit von Microsoft sein", heißt es in einem Sun-Statement.

Den Preisvorteil will Sun dabei vor allem über die relativ günstige Open-Source-Software erzielen, da "die Hardware-Kosten in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gesunken sind, während die Software-Preise anstiegen".

"Mad Hatter"

Die neuen Linux-PCs, die intern "Mad Hatter" genannt und ab Anfang 2003 angeboten werden, sollen aus Standard-Komponenten bestehen und inklusive Monitor, Kreditkartenlesegerät und Softwarepaket rund 1.000 USD kosten.

Das Softwarepaket soll aus einem Linux-OS, dem Mozilla-Browser, einem GNOME-GUI und den Büroprogrammen aus dem "OpenOffice"-Paket bestehen.

Sun will die Rechner ab 100 Stück an Großkunden verkaufen, denen auch Wartungsverträge angeboten werden sollen, die ebenfalls günstiger als die Microsofts sein sollen.

Wichtige Großkunden

Sun zielt mit seinem Angebot zweifellos auf einen Sektor ab, in dem die Bereitschaft für einen Betriebssystemwechsel vor allem aus Kostengründen derzeit hoch ist:

So geht die deutsche Bundesregierung davon aus, dass Linux-Systeme schon bald zum führenden OS in der öffentlichen Verwaltung werden, und unlängst hat die norwegische Regierung bekannt gegeben, dass sie den bestehenden Vertrag für Software-Lieferungen mit Microsoft nicht verlängern wird.

Wie groß der Markt ist, zeigt, dass Microsoft in Norwegen durch die Entscheidung mit einem Schlag rund 30 Prozent des Umsatzes verliert.

Microsoft im Preiskampf

Auf der Partner-Konferenz Fusion 2002 im Juli hat Microsoft-Chef Steve Ballmer sogar selbst zugegeben, dass sein Konzern Linux preislich nicht Paroli bieten kann:

Demnach hat das bislang von Microsoft vor allem als unsicher, teuer und innovationshemmend bezeichnete Open-Source-Projekt den Konzern sogar in eine "ganz neue Gedankenwelt" geführt.