Konkurrenz zu Microsofts Passport startet
Microsofts Authentifizierungs-Service-Passport hat am Montag greifbare Konkurrenz bekommen, denn die von Sun dominierte Initiative Liberty Alliance hat das Entwickler-Tool für ihren "Online-Ausweis" offiziell vorgestellt.
Ziel der Liberty Alliance ist es, sichere "Ausweise" für den E-Commerce und andere Online-Services zu etablieren, die unabhängig von der technischen Umgebung laufen.
Mit der Version 1.0 will Liberty Alliance Entwicklern jetzt ein Werkzeug zur Verfügung stellen, mit dem sie Authentifizierungssysteme unabhängig von nur einem Produkt schreiben können.
Bei Passport handelt es sich um einen Authentifizierungs-Service, über den nach einmaliger Anmeldung ein sicherer und bequemer Zugriff auf Angebote und Dienste wie MSN Network und .Net möglich sein soll. Dazu speichert der Redmonder Softwarekonzern sensible Benutzerdaten wie Kredikartennummern und Passwörter auf einem zentralen Server. Im Gegensatz dazu will die Allianz ein System anbieten, bei dem sich der Kunde sicher ausweisen kann, die Daten jedoch nicht zentral gespeichert werden sollen. Dafür sollen Online-Unternehmen untereinander die Richtigkeit der Daten ihrer Kunden gewährleisten.
Liberty AllianceBis Dezember umgesetzt
Unter anderem Sun, Novell, RSA, Entrust und Communicator kündigten bei der Präsentation erste verfügbare Produkte für Ende des Jahres an.
"Die kombinierte Erfahrung der Mitgliedsunternehmen, ihr Wissen um die richtige Anwendung und die Tatsache, dass sie nicht ein einzelnes Produkt, sondern eine Lösung zu einem Problem bieten, wird den Erfolg ausmachen", sagte Dan Blum von der technischen Beratungsfirma Burton Group.
Zu den 62 Mitgliedern der Liberty Alliance gehören unter anderen SAP, Nokia, General Motors, Vodafone und AOL Time Warner. Vor rund einem Jahr begann die Konkurrenz um einen einheitlichen "Online-Ausweis":
Liberty Alliance gegen MicrosoftAus Feinden könnten Partner werden
Der teils erbittert geführte verbale Schlagabtausch zwischen Microsoft und der Liberty Alliance wurde in letzter Zeit allerdings von moderaten und teilweise sogar freundlichen Tönen abgelöst:
Letzte Woche haben die verfeindeten Lager jeweils signalisiert, dass ihre Authentifizierungs-Systeme sehr wohl zusammmenarbeiten oder sogar wachsen könnten.
Der Chef der Liberty Alliance, der United-Airlines-CEO Eric Dean, sagte gegenüber dem "Wall Street Journal", dass man sich vorstellen könne, "dass auf unserer Technik aufgesetzte Dienste auch mit Passport zusammenarbeiten". Dean fügte hinzu, dass es sogar Überlegungen gebe, die beiden Dienste zu fusionieren. Und auch Microsoft-Sprecher Adam Sohn stimmte in diesen ungewohnt harmonischen Tonfall ein, als er betonte, dass sein Konzern "nicht auf eine Auseinandersetzung mit der Liberty Alliance fixiert" sei. Stattdessen wolle man schlicht Verbrauchern mehr Sicherheit im Netz bieten.
Einheitlicher "Internet-Ausweis" in Sicht
