Einheitlicher "Internet-Ausweis" in Sicht
Vor rund einem Jahr begann die Konkurrenz zwischen Microsoft und der von Sun dominierten Liberty Alliance um einen einheitlichen "Online-Ausweis".
Die Liberty Alliance und Microsoft versuchen jeweils, Systeme zu etablieren, die virtuelle Ausweise für den sicheren Handel im Internet zur Verfügung stellen. Bislang haben die beiden Lager sich dabei verbal teils heftig attackiert, aber diese Streitigkeiten scheinen der Vergangenheit anzugehören:
Eine Woche, bevor die Liberty Alliance ihr Produkt vorstellen wird, haben die verfeindeten Lager jeweils signalisiert, dass ihre Authentifizierungs-Systeme sehr wohl zusammmenarbeiten oder sogar wachsen könnten.
Bei Passport handelt es sich um einen Authentifizierungs-Service, über den nach einmaliger Anmeldung ein sicherer und bequemer Zugriff auf Angebote und Dienste wie MSN Network und .Net möglich sein soll. Dazu speichert der Redmonder Softwarekonzern sensible Benutzerdaten wie Kredikartennummern und Passwörter auf einem zentralen Server. Die Europäische Kommission untersucht derzeit, ob Microsofts Vorgehensweise, persönliche Daten von Kunden zu sammeln, gegen geltende Datenschutz-Bestimmungen verstößt.
EU überprüft Datenschutz in MS-PassportDie Lager
Insgesamt sind bisher 14 Millionen Menschen bei Passport angemeldet. Die Mitgliedschaft entsteht allerdings meist unfreiwillig, wenn ein User Hotmail oder bestimmte Features in Windows XP nutzen will, wozu zwingend die Passport-Registrierung verlangt wird.
Die von Sun Microsystems gegründete Liberty Alliance will ein erstes funktionierendes System am nächsten Montag vorstellen.
Anders als das Konzept von Microsoft will die Allianz ein System anbieten, bei dem sich der Kunde sicher ausweisen kann, die Daten jedoch nicht zentral gespeichert werden sollen. Dafür sollen Online-Unternehmen untereinander die Richtigkeit der Daten ihrer Kunden gewährleisten.
Der Liberty Alliance gehören derzeit mehr als 40 Unternehmen an, darunter AOL Time Warner, General Motors, United Airlines, Vodafone und Nokia.
Neuer Standard zur Online-IdentifikationAlles harmonisch
Der Chef der Liberty Alliance, der United-Airlines-CEO Eric Dean, sagte jetzt gegenüber dem "Wall Street Journal", dass man sich vorstellen könne, "dass auf unserer Technik aufgesetzte Dienste auch mit Passport zusammenarbeiten".
Dean fügte hinzu, dass es sogar Überlegungen gebe, die beiden Dienste zu fusionieren.
Und auch Microsoft-Sprecher Adam Sohn stimmte in diesen ungewohnten harmonischen Tonfall ein, als er betonte, dass sein Konzern "nicht auf eine Auseinandersetzung mit der Liberty Alliance fixiert" sei. Stattdessen wolle man schlicht Verbrauchern mehr Sicherheit im Netz bieten.
Zu dem neuen, harmonischen Bild, das die Erzrivalen Microsoft und Sun derzeit zeichnen, passt auch Suns Beitritt zur Initiative von Microsoft, IBM und VeriSign, die den Standard "WS-Security" zur Absicherung von Web-Services entwickelt.
Sun schließt sich MS-Sicherheits-Allianz anDie Sache mit dem Vertrauen
Die beiden bislang verfeindeten Lager teilen allerdings ohnehin ein grundlegendes Problem:
Den meisten Nutzern geht es offensichtlich eher um Datensicherheit denn Bequemlichkeit - sie wollen eigentlich gar keine solchen Dienste und haben sie bisher nur deswegen akzeptiert, weil sie ohne diese bestimmte Services wie Hotmail nicht hätten nutzen können.
Die Marktforscher von Gartner haben in zwei Wellen im vergangenen August und im Februar dieses Jahres über 2.000 Verbraucher zum Thema SSO-Dienste [Single Sign-on] wie Microsofts Passport, AOLs Screen Name und zukünftig Liberty Alliance befragt:
User misstrauen MSN, AOL und Passport
