Die Schlacht der Konsolen
Die vergangene Woche war für Microsofts Xbox-Productmanager wohl keine besonders erfreuliche.
Am Donnerstag gab Microsoft bekannt, dass der Preis der Konsole ab 26. April auf 299 Euro gesenkt wird.
Zum Launch der Xbox in Europa vor gut einem Monat hatte man noch hehre Ziele bezüglich zukünftiger Verkaufszahlen. Diese mussten augenscheinlich revidiert werden.
Obwohl zuerst heftig dementiert, gab MS zu, den bisherigen Preis wegen zu geringer Absatzzahlen gesenkt zu haben. In den USA, wo die Konsole seit Beginn 330 Euro kostet, konnten laut MS über 1,5 Mio. Konsolen verkauft werden. Für Europa liegen bis dato noch keine Verkaufszahlen vor.
Bis 2004 könnte MS durch den Einstieg in die Konsolen-Liga voraussichtlich fast eine Milliarde USD verlieren, so Analysten zum Start der Xbox im November. Diese Zahl dürfte nun obsolet sein.
Prognose revidiert
Bis Mitte des Jahres rechnet Microsoft jetzt nur noch mit 3,5 bis
vier Millionen abgesetzten Geräten, sagte Microsoft-Finanzvorstand
John Connors in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Bisher hatte
Microsoft auf 4,5 bis sechs Millionen Stück gehofft.
Microsoft gibt Xbox-Absatzschwäche zu"Thank You Package"
Alle, die bis 26. April eine Xbox kaufen, bekommen von MS ein
"Thank You Package". Der Handel hat die Preise aber teilweise schon
jetzt gesenkt, sodass um 299 Euro eine Xbox und ein "Thank You
Package" drin ist. Sogar um 249 Euro ist man in Graz dabei.
Xbox-Dumping wird absurdNicht nur eine Frage des Preises
Ob die Preissenkung alleine helfen wird, den Absatz anzukurbeln, ist fraglich. In Japan kostet die Konsole seit dem Launch 295 Euro, trotzdem sind bis jetzt noch nicht einmal 250.000 Stück verkauft worden.
Analysten nennen als hauptsächliche Gründe das für den japanischen Markt uninteressante Spieleangebot sowie die große Marktdominanz der Konkurrenten Sony und Nintendo.
Marktführer Sony ist in Japan allein mit 28 Millionen verkauften Playstations vertreten. Damit besitzt theoretisch jeder fünfte Japaner eine Sony-Konsole. In Deutschland wurden 5,5 Mio. Konsolen [PS1 und PS2] verkauft.
In Europa ist das Angebot an Spieletiteln für die Xbox bis jetzt auch als eher mäßig zu bezeichnen. Zwar gibt es einige interessante Spieletitel wie "Halo" und "Oddworld", denen aber offensichtlich das Potenzial zum Kassenschlager fehlt.
Zu wenige Spiele
In den USA sind für die Xbox bereits über 60 Spiele verfügbar, in Europa nicht einmal die Hälfte. Der Großteil davon sind Rennspiele, Ego-Shooter und Sportspiele.
Bereits bewährte Spiele wie "Silent Hill 2", in den USA für Xbox und PS2 erhältlich, bleiben hier zu Lande noch PS2-Gamern vorbehalten.
Das Spielangebot entscheidet aber mit über den Kauf einer Konsole. Da hat die PS2 mehr zu bieten: Bis jetzt sind in Europa rund 250 Spieletitel erschienen. Zum Start der PS2, das sei der Gerechtigkeit halber angemerkt, war die Auswahl an Titeln gleichfalls mager.
Allerdings war Sony damals bereits mit einer erheblichen Anzahl an PSX [Playstation erste Generation] auf dem Markt vertreten und es gab nur einen Konkurrenten: die Sega-Dreamcast.
XboxLasst die Spiele beginnen
Die nächste Marktbewegung ist für den 3. Mai zu erwarten. Dann kommt Nintendos neue Konsole, der GameCube, auf den europäischen Markt.
Der angepeilte Kaufpreis von ursprünglich 249 Euro wurde bereits zwei Wochen vor Verkaufsstart auf 199 Euro gesenkt. Damit entfacht der Kampf ums Wohnzimmer wieder neu.
Für den GameCube, der im Gegensatz zu Xbox und PS2 keine DVDs abspielen kann, wurde bereits ein Display [von THQ Entertainment] gesichtet. Nintendos Ruf als Kinderkonsole scheint unauslöschbar, Spiele wie "Resident Evil" machen den GameCube aber auch für größere Kinder interessant.
So leicht wie MS es sich vorgestellt hat, dürfte der Einsteig ins milliardenschwere Konsolengeschäft also doch nicht werden. Die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht - und als Gamer kommt sowieso keiner mehr dazu.
Nintendo überlegt GameCube-Preisnachlass
