"Teuton-Mobile" und ein EU-Handytarif
Mit Partys in London, Wien und Prag wird die Deutsche Telekom heute die Umstellung auf eine einheitliche Europamarke für ihre Tochter T-Mobile feiern.
Damit verschwinden die bisherigen Firmennamen der britischen One2One, von max.mobil und der tschechischen RadioMobil von der Landkarte. Etwas Zeit lässt sich die Mobilfunktochter der Deutschen Telekom noch in den USA.
Dort ist sie bisher mit dem Markennamen VoiceStream vertreten und will im Juni/Juli mit dem Konzernnamen die Märkte Kalifornien und Nevada erobern, wo der deutsche Konzern bisher nicht vertreten war. Die komplette Umstellung der Marke VoiceStream soll im zweiten Halbjahr 2002 erfolgen.
T-Mobile verspricht sich weit reichende Synergieeffekte und verspricht mittelfristig auch Tarifangleichungen. Unterdessen gibt es aber auch skeptische Stimmen, die auf mögliche Akzeptanzprobleme hinweisen.
Eine Milliarde für die Umstellung
Die Deutsche Telekom lässt sich das einiges kosten: Eine
Milliarde Euro wurden für die Umstellung abgeschrieben, die im
Februar in Deutschland mit einem angehängten "e" an das bisherige
"T-Mobil" begann.
T-Mobile im Zeichen von Microsoft"Teuton-Mobile" und die Europäer
Experten sind über den Sinn des Kraftaktes uneins und verweisen auf nationale Vorbehalte gegen eine "deutsche" Mobilfunkmarke.
Joachim Koller vom Bankhaus Merck Finck & Co in München zeigt sich skeptisch: "Europa ist noch immer ziemlich beeinflusst von nationalem Denken", sagt der Telekom-Experte.
"Österreicher und Briten sind vielleicht auch gar nicht so wild darauf, von einer Firma mit deutschem Namen zu kaufen. Der Schuss könnte auch nach hinten losgehen."
Für Hallmann sei der Name T-Mobile "nicht als ursprünglich deutsches Unternehmen zu erkennen.
Dass T-Mobile als "Teuton-Mobile" gehandelt werden könnte, ist für Frank Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin allerdings noch keine beschlossene Sache.
Demo an der WU Wien
Einige Studenten der Wirtschaftsuniversität [WU] Wien nahmen die
heutige Umbenennung zum Anlass, gegen den "Ausverkauf der
österreichischen Wirtschaft" mit Transparenten wie "In tiefer Trauer
die hinterbliebenen Kunden, welche nicht von T-Mobile geschluckt
werden wollen" zu demonstrieren. Die Slogans lassen allerdings die
Vermutung zu, dass den angehenden Wirtschaftsexperten nicht bewusst
ist, dass max.mobil schon seit Jahren von der DT dominiert wurde.
T-Mobile will eine Million GPRS-KundenMarketing
T-Mobile, aber auch der größte Konkurrent Vodafone, der derzeit in Deutschland "D2" in "Vodafone" umbenennt, verweisen unterdessen auf angeblich massive Synergieeffekte in der Vermarktung.
Außerdem soll die Vereinheitlichung der Marke eine "Vereinfachung der Produktpalette und langfristig auch der Tarife" bringen.
Zunächst dürften allerdings vor allem die Marketing-Aktivitäten internationaler werden.
Während Vodafone derzeit vor allem auf sein Ferrari-Sponsoring setzt, hat die Deutsche Telekom unlängst den FC Bayern München verpflichtet und - wie heute bekannt gegeben wurde - auch einen Werbevertrag über kolportierte zehn Millionen Euro mit dem Tennispaar Steffi Graf und Andre Agassi abgeschlossen.
Namensänderungen kosten eine Mrd. EuroNationale Tarife ausgelutscht
T-Mobile will im Zuge der Umbenennung auch eine Senkung der Roaming-Tarife ankündigen:
"Die Senkung der Inlandstarife interessiert den Kunden nicht mehr, das Thema ist ausgelutscht", kommentierte max.mobil-Vorstand Georg Pölzl vorgestern die Thematik.
Handlungsbedarf gebe es hingegen bei den Roaming-Gebühren: "Das Handy wird derzeit im Ausland kaum verwendet, weil die Tarife zu teuer und zu intransparent sind", so Pölzl. Netzbetreiber müssten daher künftig "einheitliche Tarife" in Europa oder den USA anbieten.
Eine europaweite Vereinheitlichung müsste auch bei den Zahlungslösungen via Handy passieren, bemerkte Pölzl. Durch einen Schulterschluss der Branche müssten sich künftig "Industriestandards bei Zahlungslösungen" herauskristallisieren, so Pölzl.
Der britische Mobilfunkkonzern Vodafone plant derzeit gemeinsam mit der T-Mobile eine Plattform für das mobile Bezahlen per Handy. Die offene Plattform soll Ende 2002 zunächst in Großbritannien und Deutschland gestartet werden.
Kooperation als Überlebensstrategie
