Kooperation als Überlebensstrategie
Die beiden großen Konkurrenten der Mobilfunk-Branche, T-Mobile und Vodafone, wollen beim elektronischen Bezahlen per Handy zusammenarbeiten.
Das einfache Bestellen von Waren und Dienstleistungen per Handy, der M-Commerce, gilt als eine Voraussetzung für den Erfolg des künftigen Mobilfunkstandards UMTS und damit als Überlebensfrage für die Mobilfunkbranche, was auch die Kooperation der beiden Konkurrenten erklärt.
Nach Einschätzung von Branchenexperten steigen mit der Kooperation jetzt die Chancen, einen weltweit einheitlichen Standard für das mobile Bezahlen zu schaffen.
Bis Ende des Jahres soll eine gemeinsame Plattform starten, die später auch von anderen Netzbetreibern genutzt werden kann. Dabei soll die Technologie des inzwischen Pleite gegangenen Software-Unternehmens Brokat zum Einsatz kommen.
Software von Encorus
Die Stuttgarter Brokat AG hatte in der Vergangenheit bereits
Großaufträge von T-Mobile und Vodafone erhalten, musste aber im
November 2001 wegen Überschuldung Insolvenz anmelden. Der
Geschäftsbereich für das elektronische Bezahlen per Handy wurde für
28 Millionen Euro an das amerikanische Unternehmen eONE Global
verkauft und in Encorus Technologies umbenannt. Encorus ist nun der
Partner der beiden Mobilfunk-Unternehmen für ihre Initiative.
Brokat wird abgewickeltStart in Deutschland und Großbritannien
Die Plattform von T-Mobile und Vodafone soll zunächst in Deutschland und Großbritannien starten.
Die persönlichen Daten werden dabei in einer virtuellen Geldbörse gespeichert.
Bisher hatte die Telekom-Branche auf unterschiedliche Lösungen für die mobile Zahlungsabwicklung und Verschlüsselung der Daten gesetzt.
Die beiden Telekom-Giganten haben allein in Deutschland und Großbritannien zusammen mehr als 60 Millionen Kunden. Weltweit telefonieren knapp 170 Millionen Menschen mit einem der beiden Betreiber.
Das Bezahlen über die Plattform kann entweder per Kreditkarte, per Rechnung oder über eine vorausbezahlte, aufladbare Karte geschehen. So soll eine durchgängige Bezahlmöglichkeit geschaffen werden, die bequem, sicher, benutzerfreundlich und vertrauenswürdig ist.
Handy soll Geldbörse werden
"Eine offene Plattform wird dem M-Commerce einen erheblichen
Schub verleihen", sagte der bei Vodafone für das weltweite Produkt-
und Servicegeschäft zuständige Manager Thomas Geitner. "Unser Ziel
ist es, das Handy zur bequemen Geldbörse zu machen."
Vodafone"Es ist dringend notwendig, dass auf der Basis von branchenweiten Synergieeffekten die Verbreitung mobiler Datenendgeräte gefördert wird", so Nikesh Arora, Vorstand New Business bei T-Mobile International. "Wir haben die globale Vision, das Mobiltelefon zu einem Multifunktionsgerät zu machen, bei dem die Verwendung als Telefon nur eine von mehreren Möglichkeiten ist."
T-Mobilepaybox bisher Weltmarktführer
Im Wettlauf um eine einheitliche Lösung für das Bezahlen per Handy hat das Unternehmen paybox die Konkurrenz nach eigener Einschätzung abgehängt.
Die Zahl der Kunden habe sich gegenüber dem Vorjahr auf 750.000 mehr als verdreifacht, sagte der Chef von paybox.net, Mathias Entenmann, auf der CeBIT in Hannover.
Damit sei paybox Weltmarktführer für diese Systeme. Um das Wachstum zu beschleunigen, suche paybox weltweit nach strategischen Partnern.
