Microsofts Anwälte in voller Fahrt
Im Kartellverfahren gegen Microsoft haben die Anwälte des Konzerns sich gestern darauf konzentriert, den Zeugen der Anklage Anthony Fama, ein Mitarbeiter des Computerherstellers Gateway, unglaubwürdig zu machen.
Fama hatte Microsoft zuvor schwer belastet. Wenn Computerhersteller nicht die von Microsoft gewünschte Software auf ihren Rechnern installierten, verschlechtere der Marktführer die Geschäftsbedingungen, sagte Fama aus.
Die Darstellung des Zeugen gilt als besonders relevant, da Gateway Kunde und nicht Konkurrent von Microsoft ist.
In der vermutlich entscheidenden Runde des Kartellprozesses gegen Microsoft verlangen neun klagende US-Bundesstaaten seit einer Woche schärfere Strafen gegen den Softwareriesen. Vor einem Distriktgericht in Washington schilderten die Anwälte Microsoft als einen "reuelosen Monopolisten", der seine Konkurrenten weiter bitter bekämpfe.
Microsoft ein "reueloser Monopolist"Besitzverhältnisse
An der Glaubwürdigkeit einer früheren Zeugenaussage des ehemaligen Gateway-Managers Peter Ashkin waren Zweifel laut geworden, da dieser inzwischen beim Microsoft-Rivalen AOL beschäftigt ist.
Anthony Fama konnten Microsofts Anwälte dies nicht vorwerfen, daher konzentrierten sie sich darauf, Fama generell als schlecht informiert darzustellen.
Dazu versuchten sie dem Gericht darzulegen, dass AOL durch einen 600-Millionen-USD-Anteil an Gateway sehr wohl Einfluss auf den PC-Hersteller nehme - und damit Famas Aussagen wiederum von einem direkten Microsocft-Konkurrenten beeinflusst seien.
Microsofts Anwälte hatten erst am Montag den Zeugen der Anklage, Michael Tiemann, Chief Technology Officer [CTO] von Red Hat Linux, laut Prozessbeobachtern regelrecht vorgeführt. Tiemann hatte bei der Anhörung letzte Woche ausgesagt, Microsoft habe die Verbreitung von Linux als Desktop-Betriebssystem behindert. Microsoft konterte dies jetzt mit der Argumentation, dass Red Hat als führendes US-Linux-Unternehmen selbst längst nicht genug dafür getan habe, Linux als Desktop-Betriebssystem zu etablieren.
Linux soll selbst schuld seinMicrosoft-Richterin will mehr Details
Die im Kartellverfahren zuständige Bezirksrichterin Colleen Kollar-Kotelly braucht nach eigenen Angaben unterdessen mehr Kenntnisse über "neue Computertechnologien", um zu entscheiden, ob diese in die Sanktionen gegen Microsoft einbezogen werden sollen.
Ein Anwalt der neun US-Bundesstaaten, die sich dem Vergleich zwischen dem Unternehmen und der US-Regierung bislang nicht angeschlossen haben, um härtere Strafen gegen den weltgrößten Softwarekonzern durchzusetzen, sagte, die Aussage der Richterin sei eine gute Nachricht, weil sie andeute, dass die Richterin bereit sein könnte, weit reichendere Sanktionen zu verhängen.
Nach Ansicht der Bundesstaaten müssen die "neuen Technologien" bei der Festsetzung der Strafen gegen Microsoft berücksichtigt werden, damit der Konzern auch künftig am Missbrauch seiner Marktmacht gehindert werden kann. Microsoft argumentiert dagegen, dass diese Forderungen über das ursprünglich gegen Microsoft gefällte Urteil hinausgehen.
"Neue Technologien"
Mit den "neuen Technologien" sind unter anderem Microsofts .NET-Initiative gemeint.
