27.03.2002

KARTELL-PROZESS

Bildquelle: ms | orf on

Microsofts Anwälte in voller Fahrt

Im Kartellverfahren gegen Microsoft haben die Anwälte des Konzerns sich gestern darauf konzentriert, den Zeugen der Anklage Anthony Fama, ein Mitarbeiter des Computerherstellers Gateway, unglaubwürdig zu machen.

Fama hatte Microsoft zuvor schwer belastet. Wenn Computerhersteller nicht die von Microsoft gewünschte Software auf ihren Rechnern installierten, verschlechtere der Marktführer die Geschäftsbedingungen, sagte Fama aus.

Die Darstellung des Zeugen gilt als besonders relevant, da Gateway Kunde und nicht Konkurrent von Microsoft ist.

Besitzverhältnisse

An der Glaubwürdigkeit einer früheren Zeugenaussage des ehemaligen Gateway-Managers Peter Ashkin waren Zweifel laut geworden, da dieser inzwischen beim Microsoft-Rivalen AOL beschäftigt ist.

Anthony Fama konnten Microsofts Anwälte dies nicht vorwerfen, daher konzentrierten sie sich darauf, Fama generell als schlecht informiert darzustellen.

Dazu versuchten sie dem Gericht darzulegen, dass AOL durch einen 600-Millionen-USD-Anteil an Gateway sehr wohl Einfluss auf den PC-Hersteller nehme - und damit Famas Aussagen wiederum von einem direkten Microsocft-Konkurrenten beeinflusst seien.

Microsoft-Richterin will mehr Details

Die im Kartellverfahren zuständige Bezirksrichterin Colleen Kollar-Kotelly braucht nach eigenen Angaben unterdessen mehr Kenntnisse über "neue Computertechnologien", um zu entscheiden, ob diese in die Sanktionen gegen Microsoft einbezogen werden sollen.

Ein Anwalt der neun US-Bundesstaaten, die sich dem Vergleich zwischen dem Unternehmen und der US-Regierung bislang nicht angeschlossen haben, um härtere Strafen gegen den weltgrößten Softwarekonzern durchzusetzen, sagte, die Aussage der Richterin sei eine gute Nachricht, weil sie andeute, dass die Richterin bereit sein könnte, weit reichendere Sanktionen zu verhängen.

Nach Ansicht der Bundesstaaten müssen die "neuen Technologien" bei der Festsetzung der Strafen gegen Microsoft berücksichtigt werden, damit der Konzern auch künftig am Missbrauch seiner Marktmacht gehindert werden kann. Microsoft argumentiert dagegen, dass diese Forderungen über das ursprünglich gegen Microsoft gefällte Urteil hinausgehen.

"Neue Technologien"

Mit den "neuen Technologien" sind unter anderem Microsofts .NET-Initiative gemeint.