Linux soll selbst schuld sein
Microsoft hat im Kartellverfahren den Zeugen der Anklage, Michael Tiemann, Chief Technology Officer [CTO] von Red Hat Linux, laut Prozessbeobachtern regelrecht vorgeführt.
Tiemann hatte bei der Anhörung letzte Woche ausgesagt, Microsoft habe die Verbreitung von Linux als Desktop-Betriebssystem behindert.
Microsoft konterte dies jetzt mit der Argumentation, dass Red Hat als führendes US-Linux-Unternehmen selbst längst nicht genug dafür getan habe, Linux als Desktop-Betriebssystem zu etablieren.
Dabei konnte sowohl die niedirge Zahl der Angestellten, die im Verkauf an PC-Hersteller arbeiten, als auch der Hinweis auf das Entwicklungsbudget von nur 18,8 Millionen USD im Jahr 2001 das Gericht offensichtlich beeindrucken.
In der vermutlich entscheidenden Runde des Kartellprozesses gegen Microsoft verlangen neun klagende US-Bundesstaaten seit einer Woche schärfere Strafen gegen den Softwareriesen. Vor einem Distriktgericht in Washington schilderten die Anwälte Microsoft als einen "reuelosen Monopolisten", der seine Konkurrenten weiter bitter bekämpfe.
Microsoft ein "reueloser Monopolist"Gespür für schädlichen Einfluss
Tiemann hatte letzte Woche ausgesagt, dass Linux durch den Einfluss von Microsoft auf die PC-Hersteller keinen angemessenen Anteil auf dem Desktop-Markt erreichen konnte.
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Tiemann will diesen für Linux schädlichen Einfluss in diversen Meetings mit Herstellern wie Dell, Hewlett-Packard und IBM gespürt haben.
Wann immer er Gnome, die grafische Linux-Oberfläche, ins Gespräch brachte, so Tiemann, habe sich die Diskussion schlagartig verändert: "Es war, als sei ein Stinktier durch den Raum gegangen", beschrieb der Red-Hat-CTO seinen Eindruck.
Red Hat Linux als Desktop-Betriebssystem sei für OEMs offensichtlich ein Tabuthema.
Red Hat beschuldigt Microsoft schwerMutmaßungen des Zeugen
Tiemann folgerte daraus, dass sich die OEMs vor möglichen Vergeltungsmaßnahmen seitens Microsoft fürchteten.
Diese Schlussfolgerung ging Richterin Colleen Kollar-Kotelly schon letzte Woche zu weit. Sie ließ die entsprechende Passage aus dem Protokoll streichen.
