Grammys verteufeln Musik-Downloads
Die Verleihung der führenden Musikindustriepreise, der "Grammys", wurde gestern von der Branche auch dazu benutzt, auf die nach eigenen Angaben schlechte ökonomische Situation hinzuweisen und auch gleich die Schuldigen zu bennen.
Dabei standen allerdings wieder einmal die kostenlosen Downloads von Musik aus dem Netz im Vordergrund, das private Brennen von Musik-CDs wurde während der Zeremonie nicht erwähnt.
Michael Greene, Präsident der Recording Academy, welche die Grammys verleiht, wies auf die jüngst vorgelegten Umsätze der US-Musikindustrie hin, die durch File-Sharing massiv zurückgegangen seien.
Um die Gefahr zu illustrieren, erzählte Green von einem "Experiment" der Academy, für das drei Studenten angeheuert wurden, die in zwei Tagen möglichst viele Songs aus dem Netz laden sollten und dabei insgesamt auf 6.000 Downloads kamen.
Das CD-Kopieren im Computer oder in gesonderten CD-Brennern wirke sich stärker aus als etwa das Herunterladen von Musikstücken aus dem Netz, meint allerdings der deutsche Branchenverband der Musikindustrie:
CD-Brenner sind böse, Napster ist harmlosGefahr für Newcomer
"Viele der Nominierten und dabei insbesondere die Newcomer sind [durch die Downloads] akut gefährdet, aus dem Geschäft gedrängt zu werden", zog Green die Schlussfolgerung aus dem Download-Experiment.
Die US-Musikindustrie hat im Jahr 2001 rund 968,58 Millionen Tonträger und damit um 10,3 Prozent weniger Einheiten verkauft als im Vorjahr.
Die Umsätze gingen dabei um 4,1 Prozent von 14,3 auf 13,7 Milliarden USD zurück.
Den Hauptgrund für diese Einbußen sieht die Recording Industry Association of America [RIAA] in Gratis-Downloads aus dem Internet und dem Kopieren von CDs. Die weltweite Piraterie kostet die amerikanische Musikindustrie laut RIAA jährlich rund vier Milliarden USD.
Umsatzrückgang bei US-MusikindustrieKommerzielle Downloads ohne Dynamik
Während die Industrie ihre Verluste durch kostenlose Downloads und CD-Brenner beklagt, scheinen ihre eigenen kostenpflichtigen Download-Plattformen nicht wirklich zu zünden - bisher hat jedenfalls keines der großen Projekte [Pressplay und MusicNet] Nutzerzahlen bekannt gegeben, was auf eine magere Bilanz hindeutet.
Und auch die mehrjährigen Prognosen für den Online-Musikmarkt wurden in letzter Zeit mehrmals gesenkt.
Prognose für Online-Musikmarkt gesenkt
