08.02.2001

MUSIK INDUSTRIE

Bildquelle: nap/waldt

CD-Brenner sind böse, Napster ist harmlos

Die deutsche Plattenindustrie erwartet für das vergangene Jahr erneut sinkende CD-Umsätze und macht dafür den Anstieg von privaten CD-Kopien verantwortlich.

"Wir rechnen mit Einbußen von gut zwei Prozent", sagte der Vorstandschef des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft, Thomas Stein, der "Süddeutschen Zeitung" .

Der Gesamtumsatz der Branche werde im Jahr 2000 auf rund 2,45 Milliarden Euro fallen, betonte Stein. Damit würden die Geschäfte des Jahres 1996 unterschritten.

Böse Brenner

Angaben des Verbandes zufolge waren die Umsätze bereits in den Vorjahren geschrumpft: 1998 hatten sie noch bei 2,57 Milliarden Euro gelegen und 1999 bei 2,5 Milliarden Euro.

Im vergangenen Jahr seien in Deutschland rund 200 Millionen Musik-CDs verkauft worden, sagte Stein der "Süddeutschen Zeitung" weiter. Zugleich seien aber rund 100 Millionen CD-Rohlinge verkauft worden, auf die legal oder illegal Kopien gebrannt werden könnten.

Das CD-Kopieren im Computer oder in gesonderten CD-Brennern wirke sich bis auf weiteres stärker aus als etwa das Herunterladen von Musikstücken aus dem Netz.

"Diese Technik" werde frühestens in fünf Jahren von der Masse der Verbraucher genutzt werden, sagte der Stein, der im Hauptberuf Marketingchef der Bertelsmann-Musiktochter BMG ist.

Guter Napster-Store

Stein steckt in seiner Doppelfunktion in einem offensichtlichen Dilemma: Als Lobbyist muss er Rückgänge bei CD-Verkäufen anprangern, als Bertelsmann-Angestellter Napster aus der Schusslinie bringen.

Napster, mit dem Bertelsmann eine Allianz eingangenen ist, werde in Zukunft "ein Megastore" werden, sagte Stein.