28.11.2001

KONKURS

Bildquelle: libro

"Um Monate oder Jahre verschleppt"

Schwere Vorwürfe gegen das ehemalige Management der Libro AG erhebt ein Prüfbericht, der von den Ausgleichsverwaltern im Zuge des laufenden Verfahrens des Buch- und Medienkonzerns erstellt wurde.

Wie das Wirtschaftsmagazin "trend" aus den Unterlagen zitiert, ist das Konkursverfahren demnach "um Monate, wenn nicht Jahre" verspätet angemeldet worden: "Die dramatische negative Ertragslage hätte bereits im Mai 2000 zu einem Verlust des bilanziellen Eigenkapitals geführt", heißt es in dem Bericht.

Demnach hätte auch Lion.cc, das am 17. Juni 1999 erstmals online ging, noch in der Aufbauphase wieder eingestellt werden müssen.

Banken mitschuld

Sowohl Lieferanten als auch Kleinanlegern ist laut dem Bericht durch die Verschleppung ein Schaden von "deutlich mehr als 1,376 Milliarden ATS" entstanden.

Kritik wird auch an der Kreditvergabe der Banken geübt. 1,7 Milliarden ATS sind ohne schriftlichen Verträge bei der Libro AG gelandet, wodurch auch 140 Millionen ATS an Kreditsteuer hinterzogen wurden.

Darüber hinaus kritisieren die Prüfer eine Art Sonderdividende, die Libro noch knapp vor dem Börsengang an die Altaktionäre ausgeschüttet hatte: "Ohne dem Endergebnis der aktienrechtlichen Sonderprüfung vorzugreifen, wird von Seiten der Ausgleichsverwaltung festgehalten, dass ihrer Ansicht nach die vorgenommene Ausschüttung für das Jahr 1999 wirtschaftlich nicht gerechtfertigt und das Handeln des Vorstandes sorgfaltswidrig war."

"Schlimmes Pleitenjahr"

Unter anderem wegen der Libro-Insolvenz erwartet Hans-Georg Kantner vom Kreditschutzverband von 1870 [KSV] ein "schlimmes Pleitenjahr", aber immerhin keinen neuen Rekord für 2001.

Die Passiva werden heuer sicher über 40 Milliarden ATS anwachsen und liegen damit immer noch deutlich unter dem Rekordwert aus dem Jahr 1995, wo die Verbindlichkeiten durch den Konsum-Zusammenbruch auf 63 Milliarden ATS explodierten.

In den ersten neun Monaten 2001 sind die Passiva aus Firmenzusammenbrüchen gegenüber dem Vorjahr um gut ein Drittel auf 37,1 Milliarden ATS gestiegen. Damit liegen die Neunmonatspassiva bereits deutlich über den Gesamtverbindlichkeiten des Vorjahres von 36 Milliarden ATS.