Streit im Hause Alcatel
Der französische Telekom-Ausrüsters Alcatel will ein Fünftel aller Jobs in Europa wegen der schlechten Aussichten für die Branche streichen
In Deutschland sollen es "nur" fast zehn Prozent sein. Nüchtern betrachtet kommt die deutsche Tochter Alcatel SEL also mit einem blauen Auge davon, doch der Betriebsrat des über Jahre arg gebeutelten Teilkonzerns will diese brutale Logik nicht akzeptieren.
Alcatel SEL hat schwierige Jahre hinter sich. Einst standen 42.000 Mitarbeiter, 1985 immerhin noch 33.000 auf der Gehaltsliste der Gruppe um die traditionsreiche Standard Elektrik Lorenz AG. Heute beschäftigt die Alcatel SEL AG ohne ihre Töchter und Schwestern nur noch knapp mehr als 9.000 Mitarbeiter. Jede Ankündigung eines neuen Stellenabbaus weckt daher den alten Phantomschmerz und den Geist der Aufmüpfigkeit bei der übrig gebliebenen SEL- Belegschaft.
Alcatel streicht weitere 10.000 in EuropaSchwarze Zahlen erhofft
Die deutschen Geschäfte des Unternehmens laufen in diesem Jahr ganz im Gegensatz zu früheren Krisenzeiten nicht schlecht. Der Umsatz wird mindestens um fünf Prozent steigen, unterm Strich könnten sogar schwarze Zahlen stehen.
"Trotzdem ist bis auf einzelne Köpfe ausgerechnet, wer gehen muss", protestiert Gesamtbetriebsratschef Alois Süss. Aus Protest verließen die Arbeitnehmervertreter sogar die Aufsichtsratssitzung am vergangenen Donnerstag.
Dass 2002 allerdings auch für die deutsche Alcatel SEL, die bei den lukrativen Aufträgen für den Bau der UMTS- Handynetze bisher leer ausging, ein schwieriges Jahr wird, gilt auch bei Branchenexperten als unumstritten.
Doch ob sich die Mitarbeiter mit den Argumenten des Vorstands abfinden, hängt auch von psychologischen Faktoren ab. Entscheidend könnte dabei sein, ob der nach außen eher zurückhaltend und besonnen wirkende Vorstandschef, der fünfte in zehn Jahren, den Beschäftigten seine Unabhängigkeit von der Pariser Konzernzentrale glaubhaft machen kann.
