09.11.2001

ANTHRAX

Bildquelle: FuZo

USA wollen Post in E-Mail umwandeln

Die US-Abgeordneten beraten angesichts der Sorge vor Anthrax über eine digitale Umwandlung aller Post in E-Mail.

Wie die Zeitung "USA Today" am Donnerstag berichtete, würden nach diesem Vorschlag die etwa 50.000 täglich eintreffenden Briefe in einer entfernten Poststelle eingescannt und dann in Form von E-Mails oder als digitale Kopien im pdf-Format [Adobe Acrobat] garantiert keimfrei an die Abgeordneten weitergeleitet.

Gefährdung der Privatsphäre

Nach Ansicht von Experten könnte die Digitalisierung allerdings die Privatsphäre der Abgeordneten und das Briefgeheimnis gefährden, da die Gefahr bestehe, dass Kopien der Briefe gemacht werden.

Seit Senator Tom Daschle Mitte Oktober einen Anthrax-verseuchten Brief erhielt, liegt die Postzustellung an den Kongress praktisch brach. Zehntausende Briefe stapeln sich in den Poststellen.

Newsweek schließt Poststelle

Stellvertretend für viele Pressestimmen beschrieb ein "Newsweek"-Redakteur in MSNBC die klamme Stimmung, die in US-Firmen bei der Aussicht auf den täglichen Poststapel herrscht, und die Erleichterung, als die Verlagsleitung die Poststelle schlicht auf unbestimmte Zeit schloss.

Anschließend sang der Redakteur ein Loblied auf E-Mails, die es - anders als noch vor zehn Jahren - durchaus auch gestatten, auf die meisten Briefsendungen zu verzichten.

Dabei wertete er die aktuelle Anthrax-Hysterie als Katalysator einer Entwicklung, die sich derzeit sowie schon vollziehen würde.

Doch kein papierloses Büro

Der Papierverbrauch muss allerdings auch durch den verstärkten Einsatz von E-Mails nicht unbedingt sinken, da viele Informationen dann einfach dezentral am PC-Drucker ausgedruckt werden - ein Phänomen, das bisher das "papierlose Büro" verhindert hat.