High-Tech gegen Demonstranten
Mikrowellen statt Kugeln, Stinkbomben statt Gewehren: Neue Technologien könnten Armee und Polizei bei Demonstrationen, in Krisengebieten oder gar gegen Terroristen helfen, ohne dass die Polizisten oder Soldaten gleich scharf schießen müssen.
Einen Überblick über neuartige, nicht tödliche Waffen bietet seit Dienstag der erste europäische Kongress über so genannte nicht letale Wirkmittel des Pfinztaler Fraunhofer-Instituts für Chemische Technologie [ICT] in Ettlingen bei Karlsruhe.
"Schießen oder zusehen"
Bisher gebe es oft nur die Alternative "schießen oder zusehen",
sagte Tagungsleiter Klaus Peter Thiel vom ICT. Diese Erfahrung
hätten nicht nur die Friedenstruppen in Somalia, sondern auch die
Soldaten auf dem Balkan gemacht. "Das waren Frusterlebnisse, die zu
einem Umdenken geführt haben", erläuterte Thiels ICT-Kollege
Friedrich Ziegahn.
"Terror und Überwachung sind Geschwister"Neuartige Konflikte ohne tödliche Waffen
Für Militär und Polizei gebe es viele Situationen, bei denen sie keine scharfen Waffen einsetzen wollten.
Bisher gab es nur Wasserwerfer, Tränengas und Pfefferspray, wobei Letzteres zwar von der deutschen Polizei, nicht aber von deutschen Bundeswehrsoldaten bei friedensstiftenden Einsätzen im Ausland eingesetzt werden darf.
Neuartige Konflikte ohne tödliche Waffen in den Griff zu bekommen müsse das Ziel nicht letaler Wirkmittel sein.
Elektromagnetische Felder gegen Handys
So könnten etwa elektromagnetische Felder in Zukunft Handys und
Computer der Angreifer stören, klebriger Schaum oder riesige Airbags
ihnen die Wege und Zugänge versperren.
Flugroboter gegen Afghanistan"Luftmatratzen" gegen Panzer
Mit Scheinwerfern könnte die Polizei Angreifer blenden. "Nicht letale Wirkmittel sollen helfen, Konflikte zu beruhigen und eine Eskalation zu vermeiden", sagte Ziegahn.
Das ICT, das meist im Auftrag der deutschen Bundeswehr forscht, arbeite derzeit an einem Gerät, das Schallschwingungen erzeugt, die bei Angreifern extreme Übelkeit auslösen, berichtete Thiel.
Zudem werde die Airbag-Technologie genutzt, um "Luftmatratzen" zu entwickeln, die sogar Panzer umstoßen könnten.
"Intelligente Soft-Munition"
"Intelligente Soft-Munition", die Reizstoffe freisetzt oder
Personen markiert, soll der Polizei helfen, Demonstrationen aus
weiter Entfernung in den Griff zu bekommen - von jenseits der
Steinwurfweite.
Digitale Freiheit trotz Terrorismus
