Börsen zwischen Crash und Korrektur
Die US-Börsen haben am Montag nach einer Handelspause von vier Tagen wegen der Terroranschläge auf das World Trade Center und das Pentagon empfindliche Verluste hinnehmen müssen.
Der Dow-Jones-Index sank um 7,13 Prozent, die Nasdaq verlor bis zum Handelsende 6,83 Prozent.
Trotz dieser herben Verluste sprechen die meisten Beobachter allerdings nicht von einem Börsen-Crash, sondern von einer nötigen Korrektur, die angesichts der dramatischen Ereignisse und der immer noch unabschätzbaren Folgen realistisch und nicht hysterisch ausfiel.
Positiv stimmt dabei vor allem, dass der DAX und der Neue Markt trotz der parallel stattfindenen Verluste in New York zulegen konnten, was auf eine baldige Stabilisierung auch der US-Märkte hindeutet.
US-Börsen halten sich relativ gutPatriotismus und Siegeswille
Die Wiedereröffnung der größten Börse der Welt sechs Tage nach dem verheerenden Anschlag auf das benachbarte World Trade Center wurde zunächst zu "einer trotzigen Demonstration des Patriotismus und Siegeswillens" [dpa]:
"Unsere Nation hat wieder zusammengefunden, wie schon in vergangenen Zeiten", rief der Vorsitzende der Börse, Richard Grasso, den wieder versammelten Maklern von der Balustrade zu.
Kurz nach 9.30 Uhr drückten die in der Börse als Helden empfangenen Polizisten und Feuerwehrmänner auf die berühmte grüne Glocke, um den Handel zu eröffnen. Ihr Klang ging im brausenden Jubel und Applaus der Börsianer unter. "Wir sind wieder da", brachte New Yorks Bürgermeister Rudolph Giuliani die Botschaft auf den Punkt.
"Unsere Wirtschaft ist genauso stark wie letzten Montag", sagte Senatorin Hillary Clinton. Sie fordert die US-Bürger auf, zu kaufen und zu investieren. "Wir haben viel zu tun. Es wird viel Geld kosten, New York wieder aufzubauen."
Nagelprobe für Hi-Tech-WerteNotenbanken setzen Signal
Nach einem Absturz der wichtigsten Indizes Dow Jones und Nasdaq um jeweils rund sechs Prozent zu Handelsbeginn sah es am Nachmittag zwischenzeitlich so aus, als ob die Beschwörungen der Politiker und die Aktionen der Notenbanken die Kurse wieder nach oben ziehen könnten. Zum Handelsende fielen die Indizes allerdings wieder kräftig.
Die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank [EZB] hatten in einer koordinierten Aktion ihre Leitzinsen gesenkt, um so die Konjunktur und die Aktienmärkte zu stützen.
Hauptgrund für die Entscheidung waren die Terroranschläge und ihre möglichen Auswirkungen auf die US-Wirtschaft. "Schon vor den tragischen Ereignissen der vergangenen Woche waren Beschäftigung, Produktion und Firmeninvestitionen schwach", erklärte die Fed. Durch die Anschläge könnte das verschärft worden sein. Alle verfügbaren Informationen deuteten darauf hin, dass die Gefahr wirtschaftlicher Schwäche bestehe. Dessen ungeachtet betonten die Währungshüter, dass die langfristigen Wachstumsaussichten in den USA "günstig" blieben. Das werde sich zeigen, wenn die "anomalen" Auswirkungen des Anschlags überwunden seien.
Die Fed-ErklärungGewinner in der Krise
Neben den zahllosen Verlierern an den Börsen, von denen Fluggesellschaften und Versicherer die stärksten Verluste hinnehmen mussten, gab es allerdings auch eine Reihe von Gewinnern.
Dazu gehörten vor allem Hersteller von Sicherheitssystem aller Art und auch Videokonferenz-Unternehmen:
InVision Technologies, deren Systeme zur Gepäckkontrolle in Flughäfen zum Einsatz kommen, der Gesichtserkennungsspezialist Viisage Technology, der Hersteller von Fingerabdruck-Erkennungssystemen Identix, die Wachdienstfirma Wackenhut, L-3 Communications, Hersteller von abhörsicheren Kommunikationsverbindungen, und Polycom, die Videokommunikations-Software und -Zubehör herstellt.
Technologien gegen den TerrorIT-Verlierer
Die wichtigsten IT-Werte verbuchten allerdings Verluste, hier machte nur Nokia eine Ausnahme, deren Aktie um 11,5 Prozent zulegen konnte.
Besonders deutlich verloren Microsoft mit 7,24 und Compaq mit 16,52 Prozent Verlust.
