UMTS ohne Killer-Anwendungen
Zum europäischen Start des Mobilfunkstandards UMTS im kommenden Jahr können die neuen Telefone nach Einschätzung des Branchenführers Vodafone zunächst weder Video noch Musik übertragen.
Die Geräte seien noch zu langsam und für die Kunden zudem zu teuer, warnte das Unternehmen nach einem Bericht der "Financial Times" gegenüber Analysten.
Damit würden aber zwei der wichtigsten "Killer-Anwendungen", auf die sich die Hoffnungen der Branche richten, zunächst ausfallen. Die Telekoms richten ihre Erwartungen auf solche zukünftigen Dienste, da sie die horrenden Kosten für die Lizenzen und die Infrastruktur wieder einspielen müssen.
Allein Vodafone hat bereits rund 22 Milliarden Euro in zehn UMTS-Lizenzen in Europa gesteckt. Dazu kommen noch weitere Kosten in der gleichen Größenordnung, die zum Aufbau der Netzinfrastruktur nötig sind.
In einem Pilotprojekt auf der britischen Isle of Man ist im Juni über ein entsprechendes Netz erstmals ein Videotelefonat von Endgerät zu Endgerät geführt worden.
Erstes Videotelefonat über UMTSEin bisschen mobil ins Netz
Den Angaben zufolge werden die Mobilfunk-Angebote von Vodafone im zweiten Vierteljahr 2002 noch nicht die technischen Mindestvorgaben für UMTS erfüllen.
Handy-Nutzer können dann aber mit den neuen Geräten "im Internet surfen". Vodafone hatte bereits im Juli angekündigt, die UMTS-Investitionen des Konzerns zu bremsen, weil sich Engpässe bei den Endgeräten abzeichnen.
Ob oder in welchem Umfang die jetzt vorhergesagten Verzögerungen auch Österreich betreffen, ist allerdings schwer abzuschätzen, da der hiesige Markt wegen seiner geringen Größe und seiner relativ weit fortgeschrittenen Entwicklung [vor allem im Vergleich zu Deutschland] als Testfeld attraktiv ist.
max.mobil simuliert UMTS-NetzLangsamer
Laut Branchenkreisen gibt es zudem Überlegungen, schlicht aus Kostengründen die bisher geplante Geschwindigkeit von Datenübertragungen über die UMTS-Netze zu drosseln.
Demnach hat Vodafone schon beschlossen, die ursprünglich geplante Datentransfer-Rate von 144 bis 384 Kilobit pro Sekunde erst rund drei Jahre nach dem Start der Netze anzubieten.
Bis dahin solle die Rate auf 64 Kilobit begrenzt bleiben, was den Netzaufbau vereinfacht und verbilligt. Um die Akzeptanz von UMTS zu steigern, soll der bereits verfügbare Standard GPRS auch nicht wie ursprünglich geplant schneller werden.
Einige Aussagen der Telekoms zielten schon in letzter Zeit darauf ab, die hohen Erwartungen zu dämpfen.
Wenig Euphorie für UMTST-Mobile offiziell unbeirrt
Ein Sprecher von T-Mobile [in Österreich mit max.mobil vertreten] sagte unterdessen allerdings, das Unternehmen halte an seinen Plänen für eine Datentransferrate von 144 bis 384 Kilobit pro Sekunde in seinen UMTS-Netzen fest.
Branchenkreisen zufolge existieren jedoch auch bei dem deutschen Unternehmen Überlegungen zur Reduzierung der Datengeschwindigkeit: "Beim Start der UMTS-Netze werden ohnehin nur geringere Übertragungsraten verfügbar sein", hieß es in den Kreisen.
Die volle Geschwindigkeit wird demnach erst im Zuge des vorgeschriebenen Netzausbaus erreicht. "Es gibt auch Überlegungen, ob die UMTS-Netze in ländlichen Gebieten überhaupt für die hohen Geschwindigkeiten ausgebaut werden", hieß es in den Kreisen weiter.
Maßgeblich für die Datentransferrate in Mobilfunknetzen ist außer der Netztechnik vor allem die Netzdichte. Je enger die Netze geknüpft werden, desto größer ist theoretisch die Datengeschwindkeit. Da sich in Ballungsräumen jedoch mehr Mobilfunkkunden eine Funknetzzelle und die zur Verfügung gestellte Datenübertragungsrate teilen müssen als in ländlichen Gebieten, ist bei gleicher Zellengröße die tatsächliche Übertragungsgeschwindigkeit in den Zentren geringer.
