07.09.2001

GESTÄNDNIS

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UMTS ohne Killer-Anwendungen

Zum europäischen Start des Mobilfunkstandards UMTS im kommenden Jahr können die neuen Telefone nach Einschätzung des Branchenführers Vodafone zunächst weder Video noch Musik übertragen.

Die Geräte seien noch zu langsam und für die Kunden zudem zu teuer, warnte das Unternehmen nach einem Bericht der "Financial Times" gegenüber Analysten.

Damit würden aber zwei der wichtigsten "Killer-Anwendungen", auf die sich die Hoffnungen der Branche richten, zunächst ausfallen. Die Telekoms richten ihre Erwartungen auf solche zukünftigen Dienste, da sie die horrenden Kosten für die Lizenzen und die Infrastruktur wieder einspielen müssen.

Allein Vodafone hat bereits rund 22 Milliarden Euro in zehn UMTS-Lizenzen in Europa gesteckt. Dazu kommen noch weitere Kosten in der gleichen Größenordnung, die zum Aufbau der Netzinfrastruktur nötig sind.

Ein bisschen mobil ins Netz

Den Angaben zufolge werden die Mobilfunk-Angebote von Vodafone im zweiten Vierteljahr 2002 noch nicht die technischen Mindestvorgaben für UMTS erfüllen.

Handy-Nutzer können dann aber mit den neuen Geräten "im Internet surfen". Vodafone hatte bereits im Juli angekündigt, die UMTS-Investitionen des Konzerns zu bremsen, weil sich Engpässe bei den Endgeräten abzeichnen.

Langsamer

Laut Branchenkreisen gibt es zudem Überlegungen, schlicht aus Kostengründen die bisher geplante Geschwindigkeit von Datenübertragungen über die UMTS-Netze zu drosseln.

Demnach hat Vodafone schon beschlossen, die ursprünglich geplante Datentransfer-Rate von 144 bis 384 Kilobit pro Sekunde erst rund drei Jahre nach dem Start der Netze anzubieten.

Bis dahin solle die Rate auf 64 Kilobit begrenzt bleiben, was den Netzaufbau vereinfacht und verbilligt. Um die Akzeptanz von UMTS zu steigern, soll der bereits verfügbare Standard GPRS auch nicht wie ursprünglich geplant schneller werden.

T-Mobile offiziell unbeirrt

Ein Sprecher von T-Mobile [in Österreich mit max.mobil vertreten] sagte unterdessen allerdings, das Unternehmen halte an seinen Plänen für eine Datentransferrate von 144 bis 384 Kilobit pro Sekunde in seinen UMTS-Netzen fest.

Branchenkreisen zufolge existieren jedoch auch bei dem deutschen Unternehmen Überlegungen zur Reduzierung der Datengeschwindigkeit: "Beim Start der UMTS-Netze werden ohnehin nur geringere Übertragungsraten verfügbar sein", hieß es in den Kreisen.

Die volle Geschwindigkeit wird demnach erst im Zuge des vorgeschriebenen Netzausbaus erreicht. "Es gibt auch Überlegungen, ob die UMTS-Netze in ländlichen Gebieten überhaupt für die hohen Geschwindigkeiten ausgebaut werden", hieß es in den Kreisen weiter.

Maßgeblich für die Datentransferrate in Mobilfunknetzen ist außer der Netztechnik vor allem die Netzdichte. Je enger die Netze geknüpft werden, desto größer ist theoretisch die Datengeschwindkeit. Da sich in Ballungsräumen jedoch mehr Mobilfunkkunden eine Funknetzzelle und die zur Verfügung gestellte Datenübertragungsrate teilen müssen als in ländlichen Gebieten, ist bei gleicher Zellengröße die tatsächliche Übertragungsgeschwindigkeit in den Zentren geringer.