Windows CE auf Siegeskurs gegen Palm
Nachdem Palm mit seinem gleichnamigen Betriebssystem den Markt für Handhelds bis letztes Jahr fast unangefochten dominierte, zeichnet sich jetzt eine echte Wende ab.
Die Marktanteile des Konkurrenten Microsoft mit "Windows CE" [Pocket-PCs] zum Palm-OS konnten in diesem Jahr erstmals dynamisch zulegen, und das, obwohl der gesamte Handheldmarkt empfindlich geschrumpft ist.
Die Gewinne gehen dabei vor allem auf Firmenkunden zurück, was exakt der langfristigen Strategie Microsfts entspricht. Seit gestern ist nun die nächste Windows-CE-Version als Download erhältlich, die dem Betriebssystem offensichtlich den entscheidenen Schub verpassen soll: Die Verbesserungen zielen wieder vor allem auf den anvisierten Markt der Firmenkunden.
Zuletzt ist außerdem mit Toshiba ein neuer, potenter Handheldproduzent auf dem Markt erschienen, der auf Windows CE setzt, was die spektakuläre Entscheidung Sonys zu Gunsten des Palm-OS mindestens relativieren und dem Microsoft-Produkt weiteren Auftrieb verschaffen sollte.
Während Windows CE gegenüber dem Palm-OS im letzten Jahr nur leicht zulegte, gewann diese Entwicklung im ersten Halbjahr 2001 deutlich an Dynamik.
2000: Windows-CE-Handhelds im VormarschFirmen im Visier
Das Beta 2 des neuen Microsoft-Betriebssystems für PDAs und Internet Appliances trägt bisher den Codenamen "Talisker". Der Windows-CE-3.0-Nachfolger soll Ende dieses Jahres auf den Markt kommen.
Die Beta 2 gilt als letzte Testversion vor dem finalen Code. Microsoft stellt sie im Unterschied zur Beta 1, die nur an 300 Tester ausgeliefert wurde, einem breiteren Kreis zur Verfügung.
Die Verbesserungen zielen wie schon bei der Vorgängerversion auf Firmenkunden: Während es Windows CE noch 1999 an Kompatibilität mit Produkten aus dem eigenen Haus mangelte, was den Einsatz für Unternehmen unattraktiv machte, steht - nach dem Ausmerzen dieser Kinderkrankheiten mit Version 3.0 - jetzt vor allem die bequeme Einbindung in verschiedene Funknetze im Vordergrund.
Die endgültige Version des neuen Betriebssystems, das es auch in koreanischer und chinesischer Sprache gibt, wird auch Microsofts .NET-Services integrieren. Dazu gehören unter anderem Instant Messaging und die Passport-Technologie des Konzerns. Talisker unterstützt ferner den Internet Explorer 5.5, MS XML 3.0 und DirectX 8.
Beta 2 des "Talisker-OS" für PDAsBlatt hat sich gewendet
Noch Anfang letzten Jahres sah es allerdings so aus, als ob Windows CE gegen das Palm-OS chancenlos sei. Damals hatte das Palm-System einen Martkanteil von mehr als 90 Prozent.
Als Sony ankündigte, Handhelds mit dem Palm-System zu produzieren, schien sich diese Dominanz weiter zu zementieren.
Inzwischen hat allerdings mit dem Notebook-Primus Toshiba ein Hersteller den Markt betreten, der Sony mindestens ebenbürtig ist und auf auf das Microsoft-System setzt.
Palm wird unterdessen auch von seinen Fans mangelnde Innovationsfreudigkeit vorgeworfen.
Setzt sich jetzt der Trend zu Windows CE fort, wonach es im Moment aussieht, hat Microsoft mit einer langjährigen Strategie wieder einmal seine dominante Stellung bei den PC-Betriebssystemen erfolgreich eingesetzt, um einen weiteren Markt zu erobern. Denn die Kompatibilität mit Windows ist für Unternehmensanwender immer noch die entscheidende Killer-Anwendung.
Sony, Psion und Palm gegen "Windows CE"Handys und Autos
Zu der Strategie, Windows CE über die Firmenkunden zu etablieren, ist auch die Adaption des Betriebssystems für Automobil-Anwendungen zu verstehen ["Windows CE for Automobile"].
Als zweites mobiles Standbein hat Microsoft das Handy-Betriebssystem "Stinger" entwickelt, das in Zukunft mit Windows CE verschmolzen werden dürfte. Das erste Stinger-Smartphone soll Anfang 2002 auf den Markt kommen.
Windows CE 3.0 für Autos vorgestellt
