07.08.2001

STROMNETZ

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Grünes Licht für Internet aus der Steckdose

Die kurz als "Powerline" bezeichnete Technologie, die Internet-Verbindungen über das herkömmliche Stromnetz ermöglichen soll und etwa in Deutschland bereits auf dem Markt ist, ließ in Österreich bis dato auf sich warten.

Bisher gab es nur Feldversuche einiger Landesenergieversorger wie der EVN und der Tiwag, die mit der Technologie, die Funkstörungen verursachen kann, auf Grund mangelnder Rechtssicherheit nicht starten wollten.

Idee "ausgesprochen interessant"

Anbieter müssten die für alle elektrischen Leitungen und Geräte einzuhaltenden, auf EU-Ebene festgelegten Grenzwerte für Abstrahlungen beachten, die im Elektrotechnikgesetz enthalten sind, betonte Infrastrukturministerin Monika Forstinger [FPÖ] heute.

Die Idee des Internets aus der Steckdose sei "ausgesprochen interessant", neue Möglichkeiten des Datentransfers und neue Synergieeffekte seien begrüßenswert, so Forstinger.

Für die neue Technologie seien keine Frequenzzuweisungen und keine gesonderte Freigabe durch das Infrastrukturminsterium erforderlich, betonte Forstinger.

Keine besondere Konzession erforderlich

Der Dienst könne ohne spezielle Konzession erbracht werden, es sei lediglich eine formelle Anzeige als Internet-Service-Provider an die Regulierungsbehörde erforderlich. Sollten während des Betriebes Störungen von Funkanlagen auftreten, sei es Aufgabe der im Infrastrukturministerium angesiedelten Funküberwachung, die Störungsursache festzustellen.

EVN will noch heuer starten

"Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, damit ist ausreichende Rechtssicherheit für den Start von Powerline geschaffen", kommentierte EVN-Sprecher Stefan Zach die heute veröffentlichten Richtlinien.

Die EVN will noch heuer die ersten Internet-Kunden an ihr Stromnetz anschließen. Derzeit testen bei der EVN 20 User die neue Technologie in Neunkirchen, ab Ende August wird der Feldversuch auf weitere drei Städte - Krems, Wiener Neustadt und Waidhofen an der Ybbs - ausgeweitet. "Im Laufe des September werden wir damit rund 600 private und gewerbliche Testuser haben", so Zach.

600 ATS monatlich

Für Internet aus der Steckdose werde die EVN eine monatliche Grundgebühr "um die 600 ATS oder ein bisschen darunter" verlangen. Dazu kommt eine einmalige Einrichtungsgebühr von rund 2.000 S. Als gebotene Geschwindigkeit werden rund ein Megabit/Sekunde erwartet.

Zwischen 50 und 70 Prozent der Haushalte erreichbar

Ob Internet aus der Steckdose eine Massentechnologie werden wird, kann Zach nicht sagen: "Wir wollen dort, wo wir Powerline anbieten werden, jedenfalls kurzfristig ein Drittel des Marktes erobern."

Die EVN werde Internet aus der Steckdose dort anbieten, wo mehr als 60 Haushalte an einer Trafostation hängen: "Damit könnten wir mehr als 70 Prozent der Haushalte im städtischen Bereich und mehr als 50 Prozent der Haushalte im ländlichen Bereich erreichen", so Zach.