Die Vernetzung aller Elektro-Geräte
Das eben zu Ende gegangene erste europäische "Intel Delevoper Forum" [IDF] stand ganz im Zeichen der Netzwerk-Konvergenz: Alles, was Strom verbraucht, soll zukünftig miteinander digital Daten austauschen können.
Die Vorschläge des Halbleiterriesen zur praktischen Anwendung des Next Generation Network [NGN] sind dabei überraschend konkret.
Intels Chef der Converged Communications Division, Howard Bubb, brauchte in Amsterdam nur eine halbe Stunde, um Entwicklern und Presse NGN zu erklären. Auch Intel geht es, wie allen Herstellern von Kommunikationsprodukten, um eine Verschmelzung von Sprach- und Datennetzen. Bisherige Trends wie ISDN oder Voice over IP sind da nur kleine Fische, oder im Intel-Jargon "Building Blocks".
Intel setzt auf Linux
Nach Intels Vision sollen offene Standards mithelfen, die
zersplitterten digitalen Netze wie Internet, GSM oder Festnetze ohne
leistungsbremsende und teure Gateways zu verbinden. Zu diesen
"Standards" zählt man bei Intel jetzt auch Linux. Nach IBM ist Intel
damit die nächste Mega-Firma des IT-Geschäfts, die sich zum
Pinguin-OS bekennt.
IDF Communications Technology Conference in AmsterdamStandardsprache noch offen
Welche Sprache das NGN sprechen wird, ließ Intel bewusst offen. Hier wartet man offensichtlich noch auf die Akzeptanz von IPv6. Wie schnell diese Version des Internet Protokolls angenommen wird, entscheidet über die Standardsprache digitaler Netze. Die Topologie des NGN a la Intel folgt dagegen streng bekannten Prinzipien - nur mehr Geschmacksrichtungen von Client, Netz und Server soll es geben.
Bei den Clients engagiert sich Intel immer stärker im mobilen Bereich. Erste Prototypen von XScale-Chips für PDAs waren zu sehen und bereits am ersten Tag hatte Intel einen DSP [Digitaler Signalprozessor] für bis zu 340 MHz gezeigt.
Zwar hat Intel noch keine Chips für Standard-Telefone vorgestellt. Bis aber das NGN richtig zusammenspielt, misst Intel-Vize Howard Bubb dem altmodischen Hörer jetzt neue Bedeutung zu. Das "VoicePortal" soll die Verknüpfung der Netze beschleunigen.
Die Idee ist sehr einfach: Telefonieren kann man bereits von jedem Ort der Welt aus, Mobiltelefone sind klein und [zur Not per Satellit] überall vernetzt. Und per Sprache und mit DTMF-Tönen lassen sich auch komplexe Abfragen ans Netz senden.
Das demonstrierte Bubb mit einer Bestgabe Verfügbarkeit und Liefertermin der Geräte mit. Weil persönliche Nachrichten beim Kunden besser ankommen, schickte Bubb dem Unternehmen dann noch eine Voicemail über den Abschluss des Geschäfts. Der ganze Vorgang dauerte keine drei Minuten.
Übersicht der "NGN Presentation Sessions" beim IDFKomplexe Abläufe
Was dabei hinter den Kulissen - sprich auf den Intel-Servern - ablief, ist komplex. Neben der Sprachverarbeitung musste Intels System mehrfach beim internen Warenwirtschaftssystem nachsehen, Adressen heraussuchen, Logistik buchen und sich schließlich noch per Telefonnetz zum Kunden verbinden.
Hoffentlich läuft dank NGN in einigen Jahren auch für den Endkunden die Bestellung der manchmal raren Intel-Produkte derart reibungslos.
Auch Sun denkt an Vernetzung aller elektronischen Geräte
Bereits Ende April hat Sun Microsystems das Open-Source-Projekt
"Jxta" vorgestellt, das es Programmierern ermöglichen soll,
Napster-ähnliche Netze für den Austausch von Dateien zu schaffen.
"Jxta" soll, so hofft Sun, die Basis für Peer-to-Peer-Anwendungen
auf unterschiedlichen Plattformen und Geräten bilden. "Jxta" steht
als Akronym für "juxtapose" [etwa gegenüberstellen]. Die etwa 25.000
Zeilen Code von "Jxta" sähe Sun gern in allen Geräten, die
miteinander kommunizieren, angefangen vom Handy über Server bis hin
zu Küchengeräten.
Sun bastelt an Napster-Nachfolger
