12.04.2001

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Bildquelle: APA

Das Ende der Gratisdienste bei Lion.cc

Lion.cc, die Online-Tochter Libros, hat seit Jahresbeginn drastische Maßnahmen zur Kostensenkung gesetzt.

Damit sei es gelungen, die Cash-Burn-Rate im Vergleich zu den schlimmsten Monaten des Vorjahres um zwei Drittel auf knapp zehn Millionen ATS zu reduzieren, sagte Lion.cc-Marketing-Vorstand Heinz Lederer heute in einem Pressegespräch.

Im Geschäftsjahr 2002/03 will Lion.cc dann im reinen E-Commerce-Geschäft erstmals Gewinne schreiben.

Neben dem drastischen Kostensenkungsprogramm, das "minutiös eingehalten werden" soll, will Lion.cc aber auch bestimmte Dienste und Dienstleistungen, darunter das Herunterladen von MP3-Files, das Versenden von SMS und die besonders rasche Zustellung von Büchern, kostenpflichtig machen. Ein Zeitpunkt für den Beginn dieser Maßnahmen wurde aber noch nicht genannt.

Downsizing

In den vergangenen Monaten trennte sich Lion.cc von rund einem Drittel der etwa 100 Mitarbeiter, das Marketingbudget wurde um einen nicht näher genannten Betrag gekürzt und die Inhalte auf der Site nach dem Verkauf der ISP-Kunden an die Telekom Austria stärker auf das Lion-Publikum und das E-Commerce-Angebot fokussiert.

Über Kooperationen mit dem 35-Prozent-Eigentümer Westdeutsche Allgemeine Zeitung [WAZ] wurden Inhalte außerdem billiger zugekauft.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2000/01 [per Ende Februar] wird der Verlust von Lion.cc nach vorläufigen Berechnungen "knapp unter 400 Millionen ATS" liegen, sagte Lederer.

Billiger expandieren

Trotz des neuen, schlankeren Konzepts mit klarer Schwerpunktsetzung auf Bücher, Musik und DVD soll die Expansion von Lion.cc mit Hilfe des deutschen Zeitungsriesen WAZ vorangetrieben werden.

Insgesamt stellt die WAZ Lion.cc rund eine Milliarde ATS für die nächsten Jahre zur Verfügung, davon rund 352 Millionen ATS für den deutschen Markt, wo Lion sein Handels-Know-how einbringen soll.

An dem Ziel, unter die Top-Five-Internet-Portale in Deutschland aufzusteigen, hält das Unternehmen fest, sagte Lederer. In Österreich will Lion.cc seine Marktführerschaft im E-Commerce ausbauen.

Ein bisschen Osteuropa

Die zuletzt von Analysten kritisch beurteilten Expansionspläne nach Südosteuropa sind nicht das vorrangige Anliegen des Unternehmens: "Wir wollen aber klar den First-Mover-Effekt nutzen", sagte der Lion.cc-Vorstand und verwies auf die günstigen Einstiegsmöglichkeiten.

Über die kolportierte Suche nach einem weiteren Content-Partner für Lion.cc wollte sich Lederer nicht äußern. Das sei eine Frage, die nur die Eigentümer beantworten könnten.

Potenzielle Kunden ins Netz bringen

Bei einer Pressekonferenz des Austrian Internet Monitor [AIM] zur E-Commerce-Nutzung forderte Lion.cc-Vorstand Heinz Lederer heute zudem, dass die Politik aktiv werden solle, um die Internet-Nutzung in den kommenden Jahren noch anzukurbeln.

Besonders bei den über 50-Jährigen nutzt derzeit nur ein Viertel das Netz. Vorstellbar sind laut Lederer Gratis-Surfstunden, die weitaus weniger kosten würden als die Telefongebührenbefreiung, eine Senkung der nach wie vor hohen Surfgebühren sowie Spezialkurse für ältere Menschen.