Dramatischer Ergebniseinbruch bei Beko
Bei der auf dem Frankfurter Neuen Markt notierten Beko sind im vergangenen Jahr die "Seifenblasen geplatzt".
Von einem schmerzenden Eckzahn und einem schwierigen Jahr 2000 geplagt, verkündete Vorstandschef Peter Kotauczek am Freitag vor Journalisten den Einbruch des Ergebnisses vor Steuer [EGT] von plus 8,7 auf minus 9,1 Millionen Euro [125,2 Mio. ATS].
Die Ergebnisse einzelner Töchter seien nach falschen Hoffnungen deutlich belastet, der Wert der Beko-Beteiligungen durch das schlechte Börsenklima verringert worden.
Das Ergebnis im Detail
Der Gewinn je Aktie brach von 1,38 auf minus 1,34 Euro ein. Das
Konzernergebnis habe aus den Reserven finanziert werden müssen, so
Kotauczek. Die Summe der liquiden Mittel wurde von 60,9 auf 29,3
Mio. Euro halbiert. Beim operativen Gewinn habe die Beko Holding im
Jahr 2000 mit einer [1999: 6,8] Mio. Euro de facto eine "schwarze
Null" geschrieben, von einem operativen Verlust sei die Holding aber
"noch weit weg". Die Umsatzerlöse sind im vergangenen Jahr um 2,9
Prozent von 80 auf 77,7 Mio. Euro zurückgegangen. Die EBIT-Marge
sank von 8,5 auf 1,3 Prozent, soll aber bereits wieder steigen.
BekoDie Gründe für den Ergebniseinbruch
Als Hauptgrund für den Ergebniseinbruch führte Beko an, dass die "Dot.com-Blase" geplatzt sei. Die Leute hätten erkannt, "dass das reale Leben in der Wirtschaft doch noch eine Bedeutung hat".
Der befürchtete Crash zum Jahreswechsel sei 1999/2000 weitgehend ausgeblieben. Die deutlichen Einbrüche des ersten Halbjahres hätten nicht mehr aufgeholt werden können. Viele Mitarbeiter, die Beko im Hinblick auf den Jahreswechsel bereitgestellt hatte, hätten daher umgeschult werden müssen. Angesichts des akuten Fachkräftemangels profitiere Beko jedoch nun von den Ausbildungsinvestitionen und der längerfristigen Bindung des Personals.
Alle negativen Aspekte seien jedoch bereits in die Bilanz des vergangenen Jahres eingeflossen. "Wenn uns der Markt diese Bilanz verzeiht, haben wir die beste Ausgangsposition aller börsennotierten IT-Unternehmen", meinte Kotauczek.
Ob die Beko Holding allerdings schon in diesem Jahr aus den roten Zahlen findet, wagt der Beko- Vorstandschef nicht vorauszusagen.
Einschneidende Veränderungen
Als Ergebnis der "schweren Managementfehler des vergangenen
Geschäftsjahres" [wie das Unternehmen selbst einräumt] wurde die
gesamte Geschäftsführung der Beko Informatik GmbH ausgetauscht. Auch
das Führungsteam von Beko Deutschland, das bisher von Wien aus die
Deutschland-Tochter leitete, wurde entlassen und Beko-Deutschland
mit der im November akquirierten deutschen Palas Soft AG fusioniert.
Beko-Erklärung zur Jahresbilanz 2000Keine Partnerschaft mit Brain Force
Neuen Partner sucht Beko nach dem geplatzten YLine-Deal zurzeit offenbar keinen.
Ankündigungen des Vorstandschefs des Wiener Software- und IT-Beratungsunternehmens Brain Force, Helmut Fleischmann, wonach es Gespräche zwischen Brain Force und Beko über eine mögliche Partnerschaft gebe, wollte Kotauczek am Freitag nicht näher kommentieren: "Das überlasse ich Herrn Fleischmann."
Brain Force sei ein unmittelbarer Konkurrent. Auch er würde Brain Force gerne kaufen, wenn er die finanziellen Mittel dafür hätte, so Kotauczek.
IPO von drei Beko-Töchtern im laufenden Jahr
Auch sonst plant Beko heuer keine großen Akquisitionen. "Uns geht
es darum, uns so weit zu beteiligen, dass wir auf die
Geschäftspolitik des Unternehmens Einfluss nehmen können", meint der
Holding-Chef. Zurzeit könnten IT-Aktien relativ billig eingekauft
werden. Dadurch wolle Beko zumindest das Finanzergebnis heuer
deutlich verbessern. Im laufenden Jahr will die Beko Holding gleich
drei ihrer Töchter an die Börse bringen und eventuell selbst ihre
bestehenden Beteiligungen erhöhen. Gleichzeitig soll die EBIT-Marge
auf rund zehn Prozent erhöht werden.
Beko-Übernahme durch Yline gescheitert
