Deutschland probt den "Cyber-Krieg"
In Deutschland soll nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" erstmals ein über das Internet geführter Krieg geprobt werden.
Bei einem Planspiel zu dem "Cyber-Krieg" wollen Behörden und Industrie noch in diesem Jahr nach US-Vorbild einen koordinierten Angriff auf deutsche Rechnersysteme simulieren, schreibt das Nachrichtenmagazin in seiner neuen Ausgabe.
Weltkrieg gegen die Mafia
Laut "Spiegel" sieht das Szenario vor, dass eine "mafiose,
international operierende Gruppe" Deutschland zwingen will, seine
"militärischen Kontingente aus dem Kosovo zurückzuziehen". Um dieses
Ziel zu erreichen, sabotiert die Bande nach dem Drehbuch über
Computer unter anderem das Strom- und Telefonnetz und greift den
Zentralrechner einer Großbank an.
Der Spiegel: Aufrüsten gegen die @-BombeStaat und Wirtschaft kooperieren
Die Folge eines solchen Angriffs wären der vorübergehende "Zusammenbruch des wirtschaftlichen und öffentliches Lebens", zitiert der "Spiegel" aus dem Szenario. Das Planspiel solle zeigen, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft in einer computervernetzten Welt im Krisenfall ist.
Ein Sprecher des deutschen Innenministeriums sagte am Samstag in Berlin auf Anfrage, ein entsprechendes Planspiel sei von einer privaten Firma im Rahmen des "Arbeitskreises zum Schutz von Infrastrukturen" vorgeschlagen worden.
In dem Arbeitskreis sitzt neben Industrievertretern auch das Ministerium. Der Sprecher des Innenministeriums nannte den Vorschlag "sehr interessant".
Arbeitskreis "Schutz kritischer Infrastrukturen""Internet-NMD" der USA als Vorbild
Als Vorbild dient den deutschen Sandkasten-Strategen offenkundig der Internet-Schutzschild der USA, dessen Aufbau erst Anfang dieser Woche angekündigt wurde. Vorbild dieses Internet-Schutzschildes ist wiederum das umstrittene Raketenabwehrsystem NMD [National Missile Defence].
Ziel dieses "virtuellen NMD" ist es, staatliche und private Netzwerke in den USA gegen "Cyber-Angriffe" von Außen zu verteidigen.
Militärisch-industrieller Komplex
Der "Schutzschild" soll nach dem Bericht bis 2003 stehen und wird
voraussichtlich über 50 Milliarden USD kosten. Präsident George Bush
hat demnach bereits Mittel zugesichert. An den Kosten sollen aber
auch "die Unternehmen" beteiligt werden, da sich beim Schutz der
Netzwerke militärische und privatwirtschaftliche Bereiche nicht mehr
trennen ließen.
50 Mrd. Dollar für "Internet-Schutzschild"IT-Investitionsprogramm
Dem Bericht zufolge gehen die US-Pläne aber über den reinen Schutz hinaus. Es solle eine ähnlich "totale Abschreckung" erreicht werden wie mit der Nuklearstrategie der vergangenen Jahrzehnte.
Da allerdings die Star-Wars-Pläne der USA bisher vor allem politische und wirtschaftliche Auswirkungen hatten und weniger technische und militärische, gehen Beobachter davon aus, dass die Ankündigung des "Cyber-NMD" vor allem als Signal der US-Stärke auch in den Datennetzen und als Investitionsprogramm in die IT-Industrie zu verstehen ist.
Dass das Pentagon auch an offensiven Programmen zur informationsgestützten Kriegsführung arbeitet, ist kein Geheimnis. Im Verteidigungsministerium der USA gab es während der NATO-Luftangriffe auf Jugoslawien Pläne, jugoslawische Computersysteme anzugreifen. Diese sind aber fallen gelassen worden, weil technische und rechtliche Folgen der Manipulation nicht absehbar gewesen seien.
Durch Juristen vom Computerkrieg abgehalten
