10.03.2001

@-BOMBE

Bildquelle: PhotoDisc

Deutschland probt den "Cyber-Krieg"

In Deutschland soll nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" erstmals ein über das Internet geführter Krieg geprobt werden.

Bei einem Planspiel zu dem "Cyber-Krieg" wollen Behörden und Industrie noch in diesem Jahr nach US-Vorbild einen koordinierten Angriff auf deutsche Rechnersysteme simulieren, schreibt das Nachrichtenmagazin in seiner neuen Ausgabe.

Staat und Wirtschaft kooperieren

Die Folge eines solchen Angriffs wären der vorübergehende "Zusammenbruch des wirtschaftlichen und öffentliches Lebens", zitiert der "Spiegel" aus dem Szenario. Das Planspiel solle zeigen, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft in einer computervernetzten Welt im Krisenfall ist.

Ein Sprecher des deutschen Innenministeriums sagte am Samstag in Berlin auf Anfrage, ein entsprechendes Planspiel sei von einer privaten Firma im Rahmen des "Arbeitskreises zum Schutz von Infrastrukturen" vorgeschlagen worden.

"Internet-NMD" der USA als Vorbild

Als Vorbild dient den deutschen Sandkasten-Strategen offenkundig der Internet-Schutzschild der USA, dessen Aufbau erst Anfang dieser Woche angekündigt wurde. Vorbild dieses Internet-Schutzschildes ist wiederum das umstrittene Raketenabwehrsystem NMD [National Missile Defence].

Ziel dieses "virtuellen NMD" ist es, staatliche und private Netzwerke in den USA gegen "Cyber-Angriffe" von Außen zu verteidigen.

IT-Investitionsprogramm

Dem Bericht zufolge gehen die US-Pläne aber über den reinen Schutz hinaus. Es solle eine ähnlich "totale Abschreckung" erreicht werden wie mit der Nuklearstrategie der vergangenen Jahrzehnte.

Da allerdings die Star-Wars-Pläne der USA bisher vor allem politische und wirtschaftliche Auswirkungen hatten und weniger technische und militärische, gehen Beobachter davon aus, dass die Ankündigung des "Cyber-NMD" vor allem als Signal der US-Stärke auch in den Datennetzen und als Investitionsprogramm in die IT-Industrie zu verstehen ist.