Telekoms hoffen auf den M-Commerce
Die aktuelle Krise der Telekom-Unternehmen ist vor allem auf die hohen Investitionskosten in die mobilen Netze der Zukunft [UMTS] zurückzuführen - und darauf, dass bisher völlig unklar ist, wie die teils existenzbedrohlichen Schulden wieder hereingespielt werden sollen.
Da Sprachübertragung in Zukunft keine oder nur zu vernachlässigende Gewinne bringen wird, setzt die Branche auf verschiede Formen des M-Commerce, der auch ein Themenschwerpunkt auf der diesjährigen CeBIT sein wird.
Dabei hoffen die Telekoms - und ihre Kreditgeber - darauf, dass der M- im Gegensatz zum E-Commerce wirklich eine Konsumenten-Anwendung wird.
Die internationalen Telekom-Konzerne haben nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich [BIZ] im Jahr 2000 zur Finanzierung von Lizenzen und Übernahmen ihre internationale Kreditaufnahme auf den Rekordwert von 273 Milliarden Euro mehr als verdreifacht.
Überschuldete Telekoms und sorglose Banken600 Euro pro Einwohner
Entscheidend wird beim M-Commerce die Frage, was die neuen Dienste kosten, doch bei der Preisgestaltung sind den Telekoms durch ihre Investitionen Grenzen gesetzt.
So haben die sechs Netzbetreiber in Deutschland pro Einwohner rund 600 Euro für die UMTS-Lizenzen ausgegeben.
Insgesamt investieren die Unternehmen nach Schätzungen von Ericsson 365 Milliarden Euro in die dritte Generation des Mobilfunks.
Ob die Branche diese Summe in den nächsten fünf, zehn oder gar zwanzig Jahren überhaupt wieder einspielen kann, ist bei Analysten umstritten. Vermutlich werden nicht alle Unternehmen den Schritt ins mobile Internet überleben.
Das Forschungsinstitut Durlacher rechnet beispielsweise in ganz Europa 2003 mit Umsätzen im M-Commerce von mehr als 15,3 Milliarden Euro - also einem Bruchteil der Investitionskosten, die getätigt wurden.
Die Hoffnungen der Branche richten sich auch auf Multimedia-SMS, also das einfache und schnelle Versenden von Textnachrichten, die mit Bildern, Musik- und Video-Files gekoppelt sind.
Multimedia-SMS soll Telekoms sanierenSIM-Card-Vorteil
Die Propheten des M-Commerce weisen allerdings zu Recht auf einen echten Vorteil des Bezahlens mit dem Handy gegenüber dem mit dem PC hin:
Die Handy-Chipkarte gilt als idealer Aufbewahrungsort für die digitale Signatur, mit der sicheres Online-Bezahlen möglich werden soll. Wer den gleichen Standard für seinen Computer zu Hause wünscht, müsste sich derzeit erst ein Kartenlesegerät anschaffen.
"Die Zukunftschancen unserer Wirtschaft liegen im Handy", analysierte auch Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, das Entwicklungspotenzial von M-Commerce im letzten November.
"Die Zukunft der Wirtschaft liegt im Handy"Der einzige Markt, auf dem M-Commerce derzeit schon funktioniert, ist Japan.
20 Millionen Japaner per Handy online
