01.03.2001

FREIWILLIG

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eBay führt Copyright-Kontrollen durch

Das weltweit größte Online-Auktionshaus eBay lässt seit dem letzten Dezember Verkaufsangebote von einer eigens gegründeten Abteilung auf mögliche Raubkopien überprüfen und schließt diese im Zweifelsfall von der Auktion aus.

Das Auktionshaus reagiert damit auf den Druck der Software-, Musik- und Filmindustrie, die immer wieder die Verbreitung von illegal kopierten Inhalten über Online-Auktionen beklagen.

So hat beispielsweise der Interessenverband der Softwareindustrie, die Business Software Alliance [BSA], im letzten Dezember in einer Studie festgestellt, dass nicht weniger als 90 Prozent der in Online-Auktionen angebotenen Software illegal seien.

Unter Druck, aber freiwillig

Auffällig an den Copyright-Kontrollen eBays sind allerdings zwei Tatsachen: die geringe Ausbeute der Raubkopien-Jäger und die relative Freiwilligkeit, mit der das Programm durchgeführt wird.

Zwar begründete eBay-Anwalt Jay Monahan gegenüber dem "Wall Street Journal" die Kontrollen mit dem stetigen Druck der Industrie und fügte hinzu, dass "wir [eBay] bemerkten, dass hier ein echtes Problem vorliegt, und deshalb alles tun wollten, was in unserer Macht steht", aber es ist fraglich, ob das Auktionhaus auch gerichtlich zu den Schritten gezwungen werden könnte.

So stellte beispielsweise das Höchstgericht in San Francisco erst im letzten November fest, dass eBay für die Versteigerung von illegal kopierten Tonträgern nicht verantwortlich zu machen ist.

Das Gericht begründete die Entscheidung mit dem "Communication Decency Act", nach dem auch Provider nicht für die von ihren Kunden verbreiteten Inhalte verantwortlich gemacht werden können.

Alibi-Aktion oder vorsichtiger Anfang

Laut "Wall Street Journal" ist die Ausbeute der 15 Mitarbeiter der US-Anti-Raubkopier-Gruppe eBays, die auch Hinweisen der Musik- und Softwareindustrie nachgehen, die via E-Mail und eine Telefon-Hotline eingebracht werden können, äußerst gering.

Demnach schlossen die Kontrolleure im Durchschnitt täglich nur zwölf Musik- und Software-Angebote aus, eine Zahl, die mit den von der BSA ausgemachten 90 Prozent illegaler Angebote in Online-Auktionen kaum in Deckung zu bringen ist.

Die magere Ausbeute deutet entweder auf eine Alibi-Aktion eBays hin, die einfach den Druck der Lobbygruppen mildern soll, oder aber darauf, dass die bisherigen Kontrollen nur der zögerliche Anfang sind. Für Letzteres spricht, dass eBay in den USA auch den Verkauf von "blanken" CDs generell verboten hat.