Verlust-Erwartungen für TA bestätigt
Derzeit herrscht Rätselraten über kolportierte vorläufige Geschäftszahlen der Telekom Austria [TA] für das Jahr 2000: Am Wochenende hatte der "Standard" berichtet, der Umsatz der Telekom sei im Vorjahr von 38,2 auf 36,2 Milliarden ATS eingebrochen, das operative Ergebnis sei mit 1,3 Milliarden ATS negativ.
Das Minus in der Bilanz soll laut Bericht gar 6,9 Milliarden ATS betragen. Dem Vernehmen nach soll es sich dabei um Telekom-AG-Zahlen [ohne Töchter] handeln. Von der APA befragte Analysten bestätigten am Montag den Trend der Zahlen, nicht aber diese selbst.
Die Telekom Austria wollte die Zahlen auf Anfrage nicht kommentieren.
Seit der Gewinnwarnung vom 18. Jänner 2001, wo ein um zehn bis 15 Prozent unter Analystenerwartungen liegendes Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation [EBITDA] angekündigt worden war, habe sich keine Änderung ergeben, dieser Mitteilung sei daher auch nichts hinzuzufügen, hieß es heute lapidar in einer Aussendung. Die detaillierte Bilanz soll am 3. April 2001 veröffentlicht werden. Die Gewinnwarnung ließ den TA-Kurs am 18. Jänner dramatisch einbrechen.
Kursmassaker nach GewinnwarnungTendenz bestätigt
Der Telekom-Analyst der Erste Bank, Konrad Sveceny, kann die kolportierten Zahlen ihrer Tendenz nach nachvollziehen, wenngleich sie sich nicht mit seinen Prognosen decken.
Die Erste Bank rechnet auf Grund der bisherigen Daten für 2000 mit einem Rückgang beim Festnetz-Umsatz der Telekom Austria von 2,84 Milliarden Euro auf 2,65 Milliarden Euro.
Ursachen dafür seien der verschärfte Wettbewerb sowie der hohe Margendruck. Für die Telekom ohne die Mobilfunktochter Mobilkom erwartet er einen operativen negativen Betriebserfolg [EBIT] von minus 396 Millionen Euro [minus 5,4 Mrd. ATS] nach Abschreibungen, aber ein positives EBITDA.
Sveceny erwartet für heuer eine Fortsetzung der Konsolidierungen im Telekom-Bereich. Ein Indiz dafür seien umfangreiche Roaming-Vereinbarungen, die als erste Schritte zu Akquisitionen oder Mergers gedeutet werden könnten. Gerade auch Österreich habe mit einer Marktbereinigung zu rechnen: Von derzeit vier Mobilfunkanbietern könnten hier zu Lande nur drei einigermaßen leben, die sechs Anbieter für die dritte Handygeneration UMTS werden in absehbarer Zeit auf knapp die Hälfte schrumpfen. Von 60 Festnetzanbietern seien rund 18 operativ, davon rund neun als ernst zu nehmende Konkurrenten für die Telekom Austria.
Downgrade
Die CA IB, die Investmentbank der Bank-Austria-Gruppe, hat ihre Empfehlung für die Anfang Februar von starker Kauf ["strong buy"] auf Kauf ["buy"] zurückgenommen.
Das Kursziel wurde um zehn Prozent auf zehn Euro zurückgenommen. Die Gewinnschätzungen für 2000 und die beiden folgenden Jahre wurden nach unten revidiert.
Man nehme bei den Gewinnprognosen 2001 "eine vorsichtigere Haltung ein", da das Unternehmen die kurzfristigen Ziele nicht erreicht habe, hieß es in der Begründung.
Auch die RZB gab zuletzt eine spekulative Kaufempfehlung für die Telekom ab. Ihr TA-Kursziel wurde mit 10,2 Euro angegeben, die Erste Bank sieht die TA-Aktie mit "neutral".
CA IB stuft Telekom Austria zurück
