Staatsanwälte ermitteln gegen TA-Miteigentümer
Die Staatsanwaltschaft Turin hat Ermittlungen wegen mutmaßlicher Schmiergeldzahlungen der Telecom Italia [TI] an das Regime des früheren jugoslawischen Staatschefs Slobodan Milosevic bei der Übernahme eines 29-prozentigen Anteils der serbischen Telekom im Jahr 1997 eingeleitet.
Die TI besitzt seit 1997 einen 25-Prozentanteil an der Telekom Austria. Im Zuge des Börsengangs erhöhte sich dieser Anteil im letzten Herbst wegen des niedrigen Anfangskurses noch einmal um 4,8 Prozent [aus dem Anteil der Staatsholding ÖIAG] auf jetzt 29,8 Prozent.
"Das Geld des Telekom-Geschäfts diente dazu, Milosevics Regime zu unterstützten, das damals in großen Schwierigkeiten war. Das Geld finanzierte auch die Militäroperationen im Kosovo. Die Operation ist Ausdruck von Zynismus und ein Fehler von [Italiens Außenminister Lambert, Anm.] Dini", sagte der nunmehrige serbische Vize-Premierminister Zarko Korac im Interview mit "La Repubblica".
Telecom Italia finanzierte MilosevicBilanzfälschung
Die Untersuchung wurde auf Grund eines Berichts der römischen Tageszeitung "La Repubblica" aufgenommen, wonach Stet International, eine Tochter der Telecom Italia, umgerechnet 6,28 Milliarden Schilling für den Erwerb von Telekom Serbia bezahlt haben soll.
Drei Prozent der gezahlten Summe sollen als Schmiergelder an Milosevic geflossen sein. Die Staatsanwälte ermitteln gegen Telecom Italia wegen mutmaßlicher Bilanzfälschung.
Die Ermittler werden in den nächsten Tagen die Bilanzbücher des Ex-Monopolisten im Telefonbereich untersuchen und überprüfen, ob tatsächlich eine überhöhte Summe zur Schaffung von Schmiergeldern für Milosevic gezahlt worden sei. Die Schmiergelder sollen nach Angaben der römischen Tageszeitung auf ein Bankkonto des Geldhauses Paribas in Frankfurt und auf eines der Barclays Bank in London geflossen sein.
Politische Konsequenzen
Wegen der mutmaßlichen Schmiergeldaffäre ist auch Dini unter Druck geraten.
"Ich habe mich nie an den Verhandlungen der Telecom Italia mit Belgrad beteiligt, wie der damalige Geschäftsführer der Telekom-Gruppe öfters bestätigt hat. Trotzdem bin ich gern bereit, dem römischen Parlament über den Fall zu berichten. Ich bestreite Medienberichte, denen zufolge die Regierung oder das Außenministerium den Abschluss der Verhandlungen mit Belgrad gefördert und begünstigt hätte", sagte Dini.
