"Freie Software, freie Liebe!"
Die Hacker, die in den Computer des Weltwirtschaftsforums [WEF] eingedrungen sind, wollten damit nach eigener Aussage "die herrschenden Machtstrukturen unterminieren".
In einem Interview mit der Schweizer "SonntagsZeitung" erklärten die anonymen Hacker, die sich "Virtual Monkeywrench" nennen, die Attacke habe irgendwann im Laufe des vergangenen Jahres stattgefunden.
Schwierig war der Hack offensichtlich nicht: "Man könnte sagen, sie [die Daten, Anm.] lagen im Schaufenster und boten sich selbst an."
An der Attacke seien vier Personen beteiligt gewesen. Der Angriff wurde erst nach Ende des Weltwirtschaftsforums am Sonntag vergangener Woche bekannt.
Unter den erbeuteten Daten von mehr als 27.000 WEF-Teilnehmern befanden sich private Angaben wie Heim- und E-Mail-Adressen sowie Telefon-, Fax-, Pass- und Handynummern von PLO-Chef Yasser Arafat, der ehemaligen US-Außenministerin Madeleine Albright und Südafrikas Präsident Thabo Mbeki sowie knapp 1.500 Kreditkartennummern.
Einbrecher cracken Daten von DavosSpaziergang
Auf die Frage nach ihrem Vorgehen antworteten die Hacker folgendermaßen: "Eindringen kann man das nicht nennen. Wir benutzten keine speziellen Hilfsmittel, bloß Standardsoftware. Und wir änderten nichts an der Sicherheitskonfiguration. Sie könnten auch jemanden fragen, wie er in einen offenen Hof spaziert sei."
"Virtual Monkeywrench", die ihre politische Haltung als Synthese zwischen Anarchismus und Hacker-Ethik beschrieben, verstehen die Veröffentlichung der Daten als Störaktion an einer "gut geölten Maschine".
Durch die Offenlegung der Daten würden die "Mächtigen und die Macht" attackiert, Autoritäten würden an Einfluss verlieren.
Weltwirtschaftsforum jagt Cracker"Freie Software, freie Liebe!"
"Virtual Monkeywrench" unterstützten auf globaler Ebene Kommunikation und Networking, sie seien aber gegen die globale Durchsetzung von Regeln, die einigen wenigen Profit bringe.
Ihr größter Traum ist laut dem Interview "eine Welt mit selbstbestimmten Menschen, die sich nichts und niemandem unterordnen wollen. Freie Software, freie Liebe!"
"Virtual Monkeywrench" bot der Zeitung außerdem noch "eine ähnliche" Datensammlung wie die vom Weltwirtschaftsforum zum US-Geheimdienst CIA an.
Auf der Site der "SonntagsZeitung" findet sich das ganze Interview und außerdem die entwendeten Daten als PDF-Files: CELL_PHONE.pdf, DIRECT_PHONE.pdf,CREDITCARD.pdf, E-MAIL.pdf, PASSWORD_A-C.pdf, PASSWORD_D-M.pdf, PASSWORD_N-S.pdf, PASSWORD_T-Z.pdf, CELL_PHONE.zip, DIRECT_PHONE.zip, CREDITCARD.zip und E-MAIL.zip
"SonntagsZeitung"
