Erst für 2003 Gewinn prognostiziert
Die Erste Bank hat die Aktie der Telekom Austria [TA] in einer Erstanalyse mit "neutral" eingestuft.
Die Aktie sei zwar prinzipiell im Sektorvergleich günstig bewertet. Nach der jüngsten Gewinnwarnung und den Unsicherheiten über die Exekutierbarkeit von geplanten Personalreduktionen sei der zum Ausgabepreis von neun Euro niedrige Kurs [derzeit bei 6,4 Euro] jedoch gerechtfertigt.
Auf Grund des Status öffentlich Bediensteter der TA-Belegschaft hinke das Unternehmen anderen nationalen Telekombetreibern mit dem Stellenabbau hinterher. Die Erste Bank erwartet im Jahr 2002 einen Personalabbau im Umfang von 18 Prozent.
Die Telekom Austria hat am 18. Jänner eine Gewinnwarnung ausgegeben. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation [EBITDA] dürfte demnach im Geschäftsjahr 2000 um zehn bis 15 Prozent geringer ausfallen, als Analysten geschätzt hatten. Die Aktie der Telekom Austria gab am gleichen Tag an der Wiener Börse um 18,2 Prozent auf 5,77 Euro nach. Die Titel waren im November zum Ausgabepreis von neun Euro an der Börse platziert worden.
Kursmassaker nach GewinnwarnungNoch zwei magere Jahre
Nach der Marktliberalisierung dürfte das Schlimmste für die TA nun aber vorbei sein, heißt es weiter in der Analyse der Ersten Bank.
Nachdem bis dato die Notwendigkeit einer flächendeckenden Abdeckung Österreichs mit Kommunikationsdiensten im Vordergrund stand, sollten die weiteren Investitionen der TA nach der Marktliberalisierung ergebnisorientiert sein.
Die Erste Bank prognostiziert für die TA einen Verlust je Aktie von 0,71 Euro im Geschäftsjahr 2000 und von 0,35 Euro [2001] bzw. 0,11 Euro [2002] in den beiden Folgejahren.
Für das Jahr 2003 erwartet die Erste Bank erstmals ein positives Ergebnis von 0,06 Euro je Anteilsschein. Eine Dividende wird ebenfalls erst für 2003 gesehen, die geschätzte Dividendenzahlung wird mit 0,03 Euro je Aktie beziffert.
Den österreichischen Markt für Telekom-Betreiber stuft die Erste Bank als einen der kompetitivsten in Europa ein. In Folge habe die TA auch mehr Marktanteile in den Bereichen Festnetz, Mobiltelefonie und Internet verloren als andere vergleichbare nationale Betreiber in Europa. Als Motor des Umsatzwachstums sieht die Erste Bank die dynamische Entwicklung der Breitband-Technologien. Währen zu Jahresende 2000 erst ein Prozent der heimischen Haushalte über Breitband-Internet-Zugang verfügten, erwartet das Institut eine Verdreifachung dieses Anteils bis Ende 2001.
Telekom Austria in TurbulenzenIns Blaue
Unterdessen hat das Nachrichtenmagazin "Format" in seiner aktuellen Ausgabe die Spekulationen über einen Verkauf der TA aufgewärmt: "Die Anzeichen für eine Übernahme der Telekom Austria verdichten sich."
Dabei geht es um die wiederholt lancierten und anschließend dementierten Meldungen über den angeblichen Appetit der Telekom Italia an einem höheren TA-Anteil.
Die Meldungen wurden allgemein vor dem Hintergrund der Situation des TI-Haupteigners Olivetti interpretiert.
Analysten und Politiker sind der Ansicht, dass Olivetti-Chef Colaninno die abenteuerliche Übernahme der TI mit dem Hintergedanken wagte, das Unternehmen später mit Gewinn zu verkaufen - als Hauptinteressent gilt dabei die Deutsche Telekom.
Milliardengeschenk der Telekom an Italiener
