Umdenken bei der IT-Zuwandererquote
Auf eine "weniger emotionale Diskussion" über die Erhöhung der Zuwandererquote für IT-Fachkräfte nach der Wiener Wahl hofft der Präsident der Wiener Wirtschaftskammer, Walter Nettig [ÖVP].
Die im Ministerrat beschlossene Quote für 2001 beurteilte er heute bei einer Pressekonferenz in Wien differenziert: "Unsere Proteste gegen die Kürzungen haben zumindest ein gewisses Umdenken in Gang gesetzt."
Ursprünglich hätte in Wien die Quote für Führungskräfte von 500 auf 250 halbiert werden sollen, meinte Nettig. Jetzt werde sie hingegen sogar um 250 auf 750 Personen erhöht, wobei auch die IT-Kräfte eingerechnet seien. Diese Erhöhung könne aber nur den "ersten Schritt" bilden.
Österreich könne sich der Zuwanderung "nicht verschließen", erklärte Innenminister Ernst Strasser [ÖVP] vor rund einer Woche in einem Gespräch mit dem "Kurier".
Österreich braucht IT-ZuwanderungIT als Jobmaschine
Nettig unterstrich gleichzeitig den "Boom" der modernen Wirtschaftsdienste in Wien. Fast 20 Prozent der Jungunternehmer seien bereits in den Bereichen Unternehmensberatung und Informationstechnologie tätig.
Der IT-Sektor habe im vergangenen Jahr ein massives Beschäftigungsplus verzeichnen können.
Für 2001 erwarte man in Branchen wie Forschung und Entwicklung, Datenverarbeitung und -banken sowie Wirtschaftsdienstleistungen eine Ausweitung der Mitarbeiterzahl um 7.000 Personen.
In einem Interview forderte Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl zum Jahresanfang eine befristete Grenzöffnung für IT-Spezialisten aus dem Osten.
Grenzöffnung für IT-Arbeitskräfte gefordertSelbsthilfe
Probleme bei der Ausbildung im IT-Bereich ortete der Wiener Stadtschulratspräsident Kurt Scholz [SPÖ]. Derzeit würden in sechs Wiener HTLs rund 2.000 und in fünf Handelsakademien über 250 Schüler zu Computerexperten ausgebildet.
An einen großzügigen Ausbau dieser Ausbildungsplätze sei aus dienstrechtlichen und budgetären Gründen aber nicht zu denken, meinte Scholz:
"Im Bildungsministerium wurde keine Möglichkeit gefunden, Fachkräfte aus der Wirtschaft stundenweise an Schulen zu beschäftigen. Angebote von IT-Experten aus der Privatwirtschaft hätten wir genug."
Zum Teil helfen sich die Schulen aber selbst. So gingen einige HTLs enge Kooperationen mit Unternehmen ein, die Schüler bei ihren Maturavorbereitungen mit Know-how stark unterstützen.
Nach Informationen der Arbeiterkammer bekommt in Östereich jeder zweite Jugendliche, der sich für eine Ausbildung in der IT- oder Telekom-Branche interessiert, keinen entsprechenden Ausbildungsplatz.
IT-Ausbildungsplätze sind Mangelware
