Wahlkampf 2008: Durchbruch für Blogs
Laut einer Studie der FH Oberösterreich sind Weblogs als Kommunikationswerkzeuge im Wahlkampf 2008 im Mainstream der heimischen Parteien angekommen.
Während meinungsstarke Weblogs -Nachrichtenkanäle, die meist von Einzelpersonen geführt werden - aus dem US-Wahlkampf schon seit Jahren nicht mehr wegzudenken sind, hat sich das schnelle und flexible Kommunikationswerkzeug bei den österreichischen Parteien erst zum diesjährigen Nationalratswahlkampf durchgesetzt. Das ergibt eine am Donnerstag veröffentlichte Studie der FH Oberösterreich in Steyr.
Als Kommunikationsinstrument seien die Blogs demnach erst 2007 von den Parteien ernst genommen worden, 2008 setzten sie zum Nationalratswahlkampf insgesamt 20 neue Weblogs auf, so die Autoren der Studie, Gerald Petz und Andreas Greiner vom Studiengang e-business. Petz und Greiner werteten insgesamt 39 Weblogs aus. Blogs, die nicht von Parteien betrieben wurden, blieben dabei allerdings außen vor.
Blogger-Veteran Pilz
Am intensivsten nutzen demnach die Grünen Blogs zur politischen Meinungsbildung. Sie verfügen über 17 dieser individuellen Nachrichtenkanäle, zu denen auch das Blog von Sicherheitssprecher Peter Pilz zählt, der seit 2001 auf seiner Website Polit-Tagebuch führt und dieses auch geschickt zur Kommunikation mit Freund und Feind einsetzt.
Pilz nutzt sein Blog beispielsweise dazu, um direkt aus Parlamentsausschüssen heraus Mitteilungen abzusetzen und hat damit bei der Meinungsbildung einen Zeitvorsprung vor anderen Politikern.
An Platz zwei der Statistik folgt die SPÖ mit 15 Weblogs, hier versuchten sich Bundesgeschäftsführerin Doris Bures oder Sozialminister Erwin Buchinger als politische Tagebuchautoren. Sowohl die Grünen als auch die SPÖ unterhalten Plattformen, auf denen sich Politiker schnell und einfach eigene Weblogs einrichten können.
Die ÖVP war mit sechs eigenen Blogs am Start, das LIF setzte erst zur Nationalratswahl ein Weblog auf. Die Freiheitlichen, das BZÖ und die KPÖ verzichteten auf eigene Blogs auf ihren Websites, schrieben aber bei entsprechenden Angeboten auf den Websites des Nachrichtenmagazins "Profil" und der Tageszeitung "Österreich" mit. Als Weblog-abstinent zeigten sich die Christen, die Liste Fritz und Rettet Österreich.
Videos und Kommentare
Dass Weblogs sich im Lauf der Zeit vor allem als eine Form individueller Meinungsäußerung etabliert haben, schlägt sich in der Studie von Greiner und Petz dadurch nieder, dass 93,8 Prozent der untersuchten Blogs im Namen von Einzelpersonen geführt wurden, der Rest von Teams.
Die Möglichkeit, Bewegtbildinhalte von diversen Videoportalen einzubinden, nutzten nur 13,9 Prozent der Blogs. Reine Audio-Inhalte wurden nur von 5,6 Prozent der Blogs genutzt.
Die Posting- und Kommentarfrequenz stieg erwartungsgemäß zum Start des Nationalratswahlkampfs 2008 steil an. Gab es im Wahlkampf 2006 [Juli bis September] nur drei aktive Partei-Blogs mit 1.211 Kommentaren, waren 2008 im selben Zeitraum 32 solcher Weblogs aktiv, in denen 4.690 Kommentare abgesetzt wurden.
