Netzeitung in Turbulenzen
Der Berliner Netzeitung drohen empfindliche personelle Einschnitte. Am Donnerstag soll über die Zukunft der "ersten deutschen Zeitung, die nur im Internet erscheint", entschieden werden.
"Es geht niemand davon aus, dass es so bleibt, wie es ist", sagte Netzeitung-Betriebsratsvorsitzender Matthias Breitinger zu ORF.at. Er erwartet, dass Entscheidungen über einen Personalabbau bei der Internet-Publikation am Donnerstag bekanntgegeben werden: "Da finden Gesellschafterversammlungen statt."
Zuletzt war in deutschen Medienberichten zu lesen, dass rund die Hälfte der 16 Mitarbeiter gehen müsse. Auch über die Entlassung der kompletten Redaktion wurde spekuliert. "Alle Varianten sind möglich", meinte Breitinger.
Online hat "keine Priorität"
Die Netzeitung wurde vor einem Jahr von der Mecom Group des britischen Investors David Montgomery gekauft und in die BV Deutsche Zeitungsholding eingegliedert, zu der unter anderem auch die "Berliner Zeitung" gehört. Geplant war eine engere Zusammenarbeit zwischen "Berliner Zeitung" und Netzeitung sowie die Schaffung eines gemeinsamen Newsrooms.
Diese Pläne wurden zuletzt auf Eis gelegt. Der geplante Umzug der Netzeitung-Redaktion in den neuen Newsroom, der am vergangenen Wochende hätte stattfinden sollen, wurde kurzerhand abgesagt. Online habe keine Priorität mehr, sagte Josef Depenbrock, der Geschäftsführer des Berliner Verlags und Chefredakteur der "Berliner Zeitung".
"Keinerlei Sparpotenziale"
Zuvor wurde im Juni für die deutsche Dependance der Mecom Group der Abbau von 150 Stellen angekündigt. "Für uns ergibt sich daraus, dass wohl entsprechende Sparmaßnahmen vorgenommen werden", meinte Breitinger.
Für die Netzeitung in ihrer derzeitigen Form könnte das das Aus bedeuten. "Hier sitzen so wenige Leute, wenn man die Qualität halten will, ist kein Sparen mehr möglich", so Breitinger. "Wenn man die Marke erhalten will, muss man jeden Mitarbeiter erhalten, es gibt keinerlei Sparpotenziale."
Die im Jahr 2000 von den Betreibern der norwegischen Online-Publikation Nettavisen gegründete Netzeitung hat eine wechselhafte Geschichte und mehrere Eigentümerwechsel hinter sich. Zu den Besitzern zählten unter anderen Lycos Europe, die Bertelsmann AG und der norwegische Medienkonzern Orkla.
Die Netzeitung wurde bis Ende 2006 vom ehemaligen "Presse"-Chefredakteur Michael Maier geleitet, der heute mit seiner Blogform Verlags GmbH das Bürgerjournalismus-Portal Readers Edition betreibt.
