12.12.2005

STATUS QUO

Yahoo setzt auf Nutzer statt auf Technik

Das weltgrößte Online-Portal Yahoo hat bei den US-Internet-Nutzern mittlerweile einen Marktanteil von fast 50 Prozent. Das Angebot reicht von Online-Suche, E-Mail-Service, Musik über News bis hin zu Weblogs.

Während sich der Wettbewerb zwischen den großen Anbietern wie Yahoo, Microsoft und Google in der Vergangenheit mehr und mehr auf die technische Ebene verlegt hatte, scheint sich Yahoo nun zunehmend auf seine Wurzeln zurückzubesinnen. Angefangen hatte das Portal vor rund zehn Jahren eigentlich als Linksammlung der beiden Gründer Jerry Yang und David Filo.

Die Inhalte zählen

Die letzten Zukäufe des Internet-Unternehmens lassen nun eine Strategie erkennen, bei der sich alles um den Nutzer und den von ihm generierten Content dreht.

Dabei hat sich Yahoo vielleicht auch darauf eingestellt, dass Google bei der Suche und der Online-Werbung derzeit die Nase eindeutig vorn hat. Yahoos größtes Kapital besteht hingegen aus den 191 Millionen registrierten Nutzern.

Soziale Netzwerke generieren Content

So wurde im März dieses Jahres mit der Foto-Sharing-Website Flickr nicht nur eine extrem populäre Plattform mit 250.000 Nutzern [zur Zeit der Übernahme], sondern auch das Wissen von deren Betreiber in Sachen soziale Software eingekauft.

Diese Strategie setzt sich auch in der jüngsten Übernahme des Portals del.icio.us fort, wo Nutzer ihre Bookmarks mit anderen teilen können. Yahoo setzt immer mehr auf das Schlagwort "Social Media".

Online-Suche als soziales Event

Die Idee dahinter ist es, die Suche im Netz zu einem sozialen Event zu machen. Der Nutzer soll schneller fündig werden, indem er sich auf Ergebnisse eines Netzwerks stützt, das er kennt und dem er vertraut.

Die Nutzer von Services wie Flickr und del.icio.us beschlagworten ihre Bilder und Links mit "Tags", über die sie von anderen Nutzern gefunden werden können. Gerade in dieser Nutzer-generierten Kategoriserung liegt ein großes Potenzial für den Suchmaschinenbetreiber.

Abo-Gebühren rechnen sich

Diese Strategie bringt Yahoo nicht nur das Vertrauen und vor allem die Mitarbeit seiner Nutzer, sondern auch neue Einnahmen. Alle Services sind in der Grundversion kostenlos, über "Premium-Angebote" lukriert der Portalbetreiber monatliche Abo-Gebühren.

Diese Gebühren machen bereits 13 Prozent der Yahoo-Umsätze aus. Zusammen mit den Werbeeinnahmen setzte Yahoo dadurch in den ersten neun Monaten diesses Jahres 3,8 Milliarden Dollar um und verdiente 1,2 Milliarden Dollar.

Wenn das Unternehmen seine Startegie geschickt fortsetzt, könnte es längerfristig durchaus gegen den "kühlen" Rechner Google punkten.