Das Dilemma der Swisscom
Die zu zwei Drittel in Staatsbesitz befindliche Swisscom setzt mit über 15.000 Mitarbeitern immerhin umgerechnet rund 6,5 Mrd. Euro um und macht mehr als eine Milliarde Euro Gewinn im Jahr.
Mit prall gefüllter Kasse ist der Marktführer stetig auf der Suche nach Übernahmekandidaten, um selbst nicht gefressen zu werden. Jetzt könnte ihm genau dieses Schicksal drohen. Der Bund will seine Anteile schnell verkaufen, bis dahin darf sich die Swisscom aber nicht zu stark im Ausland engagieren.
Swisscom verliert 650 Mio. Euro an Marktwert
Dieser Tage ist in den Schweizer Medien viel von Lügen,
Unfähigkeit und Geschwätz die Rede. Dabei eignet sich gerade die
Swisscom nicht zu Spekulationen. Schon jetzt hat das Unternehmen an
der Börse durch das Hickhack rund rund 650 Mio. Euro seines
Marktwertes verloren.
Swisscom könnte kleinere Zukäufe planenAuslandsaktivitäten sind verboten
Und das, nachdem die Regierung in Bern angekündigt hatte, sie wolle ihr Paket im Wert von umgerechnet 11,3 Mrd. Euro verkaufen, werde aber gleichzeitig der Swisscom Auslandsaktivitäten verbieten.
Erst nach massivem Druck schwächte die Regierung das Verbot dahingehend ab, dass der Swisscom kleinere Zukäufe erlaubt sein sollen. So genannte Grundversorger aber bleiben tabu. Die Regierung ist in der Frage zerstritten.
Vergleich mit Swissair
Justizminister Christoph Blocher, selbst Unternehmer, begründet
das gerade von ihm vehement vertretene Verbot mit der
Swissair-Pleite. Sie sei so sicher wie eine Schweizer Bank, hatte es
über die 70 Jahre alte Fluglinie, an der der Bund nur mit sechs
Prozent beteiligt war, bis kurz vor ihrer Insolvenz im Herbst 2001
geheißen.
Stopp für Swisscoms UnternehmergeistSwisscom mit erfolglosen Übernahmeversuchen
Sie hatte jedoch dem Wettbewerb nicht mehr standgehalten und Schulden in Höhe von mehr als zehn Mrd. Euro angehäuft.
Einer der Gründe für den Niedergang war die internationale Verzettelung der Airline. Blocher sieht die Swisscom in einer ähnlichen Weichenstellung.
Die Swisscom hat nun Gespräche mit der irischen Eircom abgebrochen. Auch an der dänischen TDC war sie angeblich interessiert. Ihre Übernahmeversuche von Cesky Telecom und Telekom Austria waren schon gescheitert.
