"Weiterentwickelt", nicht manipuliert
Die Nachricht, dass auf Verlangen Microsofts Passagen in den "Vienna Conclusions" zur Vorbereitung des Weltgipfels inhaltlich verändert wurden, zieht weite Kreise im Internet.
Thomas Lutz, Unternehmenssprecher von Microsoft Österreich, ist am Montag gar zum Protagonisten des täglichen [Kult-]Cartoons des Zeichners Iliad auf Userfriendly.org avanciert.
Internationales Medieninteresse
Von Heise.de und anderen deutschen Online-Medien bis hin zu Slashdot und einer Unzahl anderer Foren wird die Frage aufgeworfen, wie "Digital Rights Management" [DRM] so plötzlich in das Abschlussdokument eines Podiums kam, dessen Teilnehmer sich explizit gegen DRM ausgesprochen hatten.
Und warum der Bezug auf freie Software auf Wunsch Microsofts herausgestrichen wurde, obwohl kein Vertreter Microsofts am betreffenden Podium teilgenommen hatte.
Keine weitere Reaktion
Erst in Tunis habe man die Änderungen entdeckt, schrieb Georg Greve, der als Vorsitzender der Free Software Foundation Europe an der Podiumsdiskussion "Digital Rights/Creative Commons" teilgenommen hatte.
Der Berichterstatter des Panels, Ralph Bendrath, hatte nach eigenen Angaben nach Ablieferung seines Berichts beim für die Konferenz Zuständigen, Bruck, keine weitere Reaktion darauf erhalten.
Die Veränderungen am Text - Bericht der futurezone vom 21. 11.Das sagt Bruck
Bruck findet das alles ganz in Ordnung und seine Vorgangsweise völlig korrekt.
"Wie auf der Website ersichtlich war vereinbart, ein 'Living Document' zu machen; dadurch sind Veränderungen gemacht worden. ... Es gibt daher keine Abweichungen, sondern Weiterentwicklungen des Textes", schreibt Bruck auf Anfrage von futurezone.ORF.at.
"Die Veränderungen wurden nach den Eingaben gemacht, die entweder gemailt oder im Blog eingetragen wurden; die Änderungen wurden vorab im Web publiziert und erst nach drei Wochen in den Druck aufgenommen", so Bruck weiter.
Bruck ist laut Who-is-Eintrag auch Betreiber der Website Medienprofessor.at, die vor allem dem Vertrieb eigener Bücher gewidmet ist. Interessanterweise findet sich auf der Website des für die Organisation des vom Wirtschaftsministerium vergebenen Staatspreises für "Multimedia und E-Business" Zuständigen keinerlei Impressum.
Medienprofessor.atWie man den Blog auch findet
Publiziert wurde auf einem Blog, der nicht über die Hauptnavigation der Konferenz-Website zu finden ist, neben den Beiträgen der PR-Firma Cox-Orange und Microsoft finden sich weder weitere Beiträge noch Kommentare.
Allem Anschein nach gibt es zu dem Blog nur einen Link auf der gesamten Website. Der Blog selbst ist extern, er setzt offenbar auf der Website blogger.com auf.
Je ein Satz des veränderten Dokuments - das sind alle inhaltlichen Veränderungen - stammt von Cox-Orange bzw. Microsoft.
Die Konferenz
