Filmindustrie fordert härtere Strafen
Das nach wie vor fehlende Verständnis der Österreicher gegenüber der Piraterie-Problematik kritisierte VAP-Präsident Ferdinand Morawetz, Geschäftsführer von Buena Vista Austria, am Dienstag bei der Jahresbilanz-Pressekonferenz des Vereins für Anti-Piraterie [VAP] der österreichischen Filmindustrie.
Allein im Vorjahr seien illegale Kopien im Wert von 15 Mio. Euro verkauft worden, so VAP-Rechtsanwalt Andreas Manak.
Im laufenden Jahr hat man bereits über 9.000 Datenträger mit urheberrechtlich geschütztem Filmmaterial beschlagnahmt, 20 Hausdurchsuchungen wurden durchgeführt und 25 neue Strafverfahren eingeleitet.
Mit dem neuen Trailer "Kino, ein Erlebnis, das sich nicht kopieren lässt" soll der Besuch der Filmpaläste wieder schmackhaft gemacht werden.
Österreichs Kinos werden digitalStrafen auch für Käufer gefordert
Bisher ist der Kauf einer illegalen DVD in Österreich nicht strafbar, der VAP plädiert nun dafür, Verwaltungsstrafen für die Käufer einzuführen. Eine strafrechtliche Verfolgung wird aber nicht angestrebt.
Des Weiteren will die Filmindustrie im Zuge einer Gesetzesnovelle die Behandlung von Urheberrechtsverletzungen als Ermächtigungsdelikt durchsetzenn. "Die Polizei muss aktiv werden können, ohne dass jeder Schritt von einem Untersuchungsrichter genehmigt werden muss", so Manak.
Auch die Strafandrohungen sollen nach Wunsch des VAP weiter erhöht werden. Gefordert wird eine Höchststrafe von bis zu fünf Jahren Haft statt bisher drei Jahre für gewerbliche Verkäufer von geschütztem Material.
Wasserzeichen-Spur führt nach Wels
Auch in Österreich seien die Filmpiraten aktiv, so der VAP am
Beispiel von "Harry Potter IV". Der Film sei am 17.11. in den Kinos
angelaufen, am 18.11. sei die erste Raubkopie [englisch, schlechte
Qualität] im Internet zu finden gewesen, am selben Tag noch die
deutsche Fassung, dessen Tonspur vermutlich aus einem Welser Kino
stamme.
Verein für Antipiraterie"The Freeworld" - Katz-und-Maus-Spiel
Auch bei TV-Serien-Downloads war ein Österreicher aktiv. Nach der
gerichtlichen Schließung der Website The Realworld.de stellte ein
Zivildiener aus Saalfelden [Nickname SirCotare] kurzerhand die
Klon-Site The Freeworld ins Netz. Nach Androhung eines
Strafverfahrens durch den VAP nahm er das Angebot wieder vom Netz
und musste eine Pönale bezahlen. Vor kurzem ist jedoch ein weiterer
Realworld-Klon mit russischer Domain aufgetaucht.
Hollywood stoppt The-Realworld.deWeiterhin keine legalen Angebote
Doch neue Angebote der Filmindustrie wie etwa legale Download-Möglichkeiten für Filme und TV-Serien lassen weiterhin auf sich warten.
Zwar wurde mit iTunes in den USA ein Anfang gemacht - dort werden Serien "Lost" und "Desperate Housewives" einen Tag nach der TV-Erstausstrahlung für 1,99 US-Dollar pro Folge angeboten - doch europäische Nutzer sind von diesem Angebot ausgesperrt.
Ob und wann TV-Serien-Downloads auch in Europa starten, konnten die Vertreter der Filmindustrie auf der Pressekonferenz nicht beantworten. Das Problem liege in der diffizilen Rechteverteilung.
